Irland, 4. Etappe: County Galway

Wie die Zeit vergeht: Eine Woche sind wir nun schon an der Westküste Irlands unterwegs und haben das County Cork, das County Kerry und das County Clare gesehen. Bevor es zurück nach Dublin geht, steht aber noch ein Highlight auf dem Programm: das County Galway mit dem Gebiet Connemara. Für mich einer der schönsten Ziele unseres Roadtrips durch Irland.

Die Stadt Galway haben wir uns geschenkt und sind stattdessen gleich bis ganz in den Westen des Countys gefahren: in den kleinen Ort Clifden. Rund um den Marktplatz finden sich zahlreiche Unterkünfte und Pubs, sodass wir weder Hunger leiden noch in einem Schafstall schlafen mussten.

Ringstraße südlich von Clifden

Schon die Fahrt nach Clifden auf der Nationalstraße N69 ist ein Traum: Hinter Oughterard, wo du das ganz nette Aughnanure Castle besuchen kannst, wird die Landschaft immer spektakulärer: Ein See folgt dem anderen in der moorigen Gegend, und als Kulisse im Hintergrund begleiteten uns die Maumturk Mountains auf dem Weg fast bis nach Clifden. Eine gute Einstimmung also auf die geplante Rundreise durch Connemara am nächsten Tag.

Nach einem unvorgesehenen Zahnarztbesuch am nächsten Morgen (frag nicht nach Details, blödes Missgeschick) starteten wir unsere Tour und wählten zunächst die südliche Ringstraße über Roundstone. An langen weißen Stränden entlang, mit immer wieder wunderschönen Ausblicken über das Meer, fuhren wir zunächst bis Ballyconneely und entschieden uns dort für einen Abstecher zum Bunowen Pier.

Hier findet sich zum einen eine Fischräucherei, in der wir leckeren Fisch hätten kaufen können. Uns interessierte aber viel mehr das malerische Fischerboot am Kai. Ein Fischer bereitete sich gerade auf die nächste Fahrt vor und erzählte uns ganz offen über sein Leben auf dem Meer: dass er aus einer Fischerfamilie über mehrere Generationen hinweg stammt, dass es wegen immer mehr Regularien für ihn immer schwieriger wird, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, er aber trotzdem niemals etwas anderes machen wolle – Fischen sei sein Leben. Dankbar für soviel Vertrauen in uns Fremde schauten wir ihm nach unserem Gespräch bei seiner Fahrt aus dem Hafen lange nach.

In Roundstone machten wir bei einem leckeren selbstgemachten Scone aus dem kleinen Supermarkt Pause mit Blick über den Hafen, bevor es zurück nach Clifden ging. Statt der großen N69 nahmen wir ein paar Kilometer hinter Roundstone eine enge, kleine Straße Richtung Clifden. Das war der Glückstreffer des Tages: Kaum ein Auto war in dieser traumhaften Landschaft unterwegs. Über die dahingesprenkelten Seen hinweg konnten wir auf der einen Seite zum Meer, auf der anderen Seite bis zu den hohen Bergen schauen.

Skyroad, Abtei und Fjord

Zurück in Clifden begaben wir uns auf die Ringstraße Nummer zwei: die Skyroad. Immer höher kroch unser Auto in die Berge, bis wir aus Vogelperspektive das Meer mit seinen zahlreichen vorgelagerten Inseln vor uns liegen sahen. Viel zu schnell waren wir wieder unten und ließen die Skyroad hinter uns.

In Letterfrack machten wir einen kurzen Abstecher zum Besucherzentrum des Connemara Nationalparks. Die gut ausgebauten und entsprechend bevölkerten Wanderwege in den Nationalpark hinein fanden wir jedoch wenig spannend. Stattdessen machten wir ein paar Kilometer weiter das obligatorische Foto der Kylemore Abbey – ohne allerdings den teuren Eintritt auf das Gelände zu zahlen. Ein Blick über den See auf das Schloss genügte uns.

Ebenfalls wenig spektakulär fanden wir Killarey Harbour, Irlands einzigen Fjord (wer einmal in Norwegen war, ist für den Rest seines Lebens verdorben, was Fjorde angeht …). Dann lieber noch mal Berge: Durch das einsame Joyce Country – benannt nach den vielen Familien namens Joyce in der Gegend – ging es zurück auf die N69. Die Nacht verbrachten wir in Oughterard und ließen damit Connemara hinter uns.

Ruinen in Clonmacnoise

Auf dem Weg nach Dublin am nächsten Morgen, wo wir am folgenden Tag den Flieger zurück nach Deutschland nehmen mussten, machten wir noch Halt in Clonmacnoise. Auch wenn die alte Klostersiedlung nicht mehr im County Galway liegt, erlaube ich mir, als letzten Stopp vor Dublin, einen kurzen Bericht.

Für 6 Euro Eintritt erhielten wir Zutritt zu dem Gelände, auf dem mehrere Kirchenruinen, eine verfallene Kathedrale sowie zahllose Hochkreuze zum Fotografieren einladen. Malerisch fließt der Fluss hinter dem Kloster entlang, und wären die lärmenden amerikanischen Teenies nicht gewesen, die respektlos auf den alten Gemäuern herumkletterten, hätte man diesen Ort fast mystisch nennen können. Sehenswert ist auch das Museum im Besucherzentrum, das die Geschichte des Klosters erzählt und alte Originalfunde vom Gelände ausstellt.

Bye, bye, Ireland

Am Schluss ging es schließlich über die Autobahn nach Dublin. Nach zehn Tagen in der Natur bekamen wir in der irischen Hauptstadt einen kleinen Kulturschock: definitiv zu viele Menschen, zu viele Autos, zuviel Lärm. Wir waren froh, als wir einen netten Pub außerhalb der Partymeile mit cooler Live-Musik gefunden hatten, und stießen auf unsere zehntägige Rundreise durch Irland an. Wir kommen bestimmt noch mal wieder, denn der Wild Atlantic Way hört in Connemara ja noch lange nicht auf …

Und: Welche Etappen unseres Roadtrips durch Irland hat dir am besten gefallen?

Etappe 1: County Cork

Etappe 2: County Kerry

Etappe 3: County Clare

Etappe 4: County Galway

Ich freue mich auf deine weiteren Tipps oder Fragen zu Irland!

 

 

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11 Kommentare

  • …. denn der Wild Atlantic Way hört in Connemara ja noch lange nicht auf …

    Stimmt genau! Euer Reisebericht über Irland ist großartig. Wir waren in Irland und Nordirland zwei Wochen unterwegs und wir müssen auch noch mal dorthin zurück. Besonders der Nordwesten mit dem Ballycroy-Nationalpark und dem Glenveagh-National-Park interessieren uns sehr. Wer einmal vom Irland-Virus gepackt wurde, wird ihn nicht mehr los.
    Eure Reiseseite ist wunderbar. Wir hätten auch gerne etwas mehr Zeit um über unsere Reisen zu berichten.
    Liebe Grüße von Liane und Hartmut

  • Du hast Recht. Der Connemara Nationalpark spiegelt nicht die wirkliche Landschaft Connemara wider. Trotzdem lohnt der Aufstieg auf den Diamond Hill mit um die 450m Höhe, wenn der auch nicht ganz so einfach ist. Von dort oben hat man grandiose Aussichten auf das Land und die Küste. Wir schossen von dort oben unser Foto von Kylemore Abbey.
    Connemara besticht durch seine Einsamkeit, seine raue Landschaft und die vielen Torfstiche. Es ist eine andere Welt. Der Connemara Whiskey ist auch nicht zu verachten.Hier ist unser Bericht dazu: https://akweltenbummler.com/?s=Connemara

    • Oh, Ihr wart auch in Irland? Das ist schön! Im Sommer ist es dort ja noch mal ganz anders als im Frühjahr. Da macht die grüne Insel ihrem Namen sicher erst recht große Ehre 🙂

      • Na ja, wettertechnisch hatten wir nicht so viel Glück auf unserer Reise über die Britischen Inseln. Auf Irland schaffte es die Sonne jedoch immer an den interessantesten Ecken, für die besondere Kulisse zu sorgen.

  • Liebe Sabine
    Ach wie schön, da warst Du in einer meiner Lieblingsgegenden unterwegs. Ich kenne und liebe Connemara seit ich ein kleines Mädchen war. In der Kylemore Abbey hatte ich damals bei einer spanischen Nonne Klavierunterricht. Das Klavier steht heute noch im Museum… Danke für die schönen Fotos und für die Portion „Heimweh“!
    Liebe Grüsse,
    Ellen

  • Hach schön, durch deine Berichte auch die eigenen Erlebnisse noch einmal gedanklich hervorzuholen.. Schon ein herrliches Land!!
    Vielen Dank für den schönen Bericht!

    Lg Michael

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