Irland, 3. Etappe: County Clare

Der halbe Roadtrip durch Irland ist schon vorbei, zwei Countys haben wir bereits hinter uns gebracht: County Cork und County Kerry. Nun geht es weiter Richtung Norden, immer den Wegweisern des Wild Atlantic Way folgend, hinein ins County Clare.

Die letzte Nacht haben wir in der Nähe von Tarbert verbracht, einem kleinen Ort mit einer Fährstation. Gut, dass hier ein Fährübergang geschaffen wurde, so konnten wir viele Kilometer Umweg über Limerick sparen. Nach einem Frühstück aus dem Tante-Emma-Laden – das Bed & Breakfast hatte offenbar ein B verloren: Es gab nur Bed, kein Breakfast – fuhren wir über den Shannon hinüber nach Killimer. Der Shannon, längster Fluss Irlands, ist eigentlich ganz hübsch – wenn an dieser Stelle nicht mehrere große Fabriken seine Ufer zieren würden. Ich versuchte, die Schornsteine zu ignorieren und mich trotzdem über die Flussfahrt zu freuen.

Klippenspaziergang in Kilkee

Im County Clare angekommen fuhren wir auf dem schnellsten Wege nach Kilkee. Hier sollte es nämlich einen schönen Klippenweg geben. Den Tipp habe ich von einem Aussteller auf der Reisemesse ITB bekommen. Die Ortschaft Kilkee lohnt allein nicht unbedingt einen Abstecher, aber der Klippenweg ist nett: Vom Parkplatz an einem Café startet der Spazierweg – für Ungeübte komplett asphaltiert.

Wir entschieden uns für ein bisschen mehr Abenteuer und bogen schon direkt am Parkplatz auf die Klippen ab. Mit viel Vorsicht, weil sehr rutschig, kannst du hier ganz nah an den Wellen entlangspazieren, die sich unermüdlich gegen die Felsen werfen. Etwas weiter den asphaltierten Weg entlang gibt es dann an einer Treppe eine weitere Möglichkeit, noch einmal die Klippen zu betreten. Der Rest des Weges führt oben an der Felskante entlang, sodass wir gar nicht mehr das Gefühl hatten, dass unter uns meterhohe Klippen liegen.

Wanderung an den Cliffs of Moher

Wir setzten daher unsere Fahrt – übrigens bei bestem Wetter – fort. Nächstes Ziel: die berühmten Cliffs of Moher. Eigentlich hatten wir vorgehabt, von Doolin aus acht Kilometer zu den Klippen von Moher zu laufen. Doch durch den längeren Aufenthalt in Kilkee war uns aber etwas die Zeit davongelaufen. Daher bissen wir in den sauren Apfel und zahlten die 6 Euro Eintritt pro Person für den Parkplatz am Visitor Center. Die Menschenmassen, die sich mit uns zusammen in Richtung Meer bewegten, nahmen wir mit Humor.

Am Aussichtspunkt schossen wir das obligatorische Foto von den berühmten Klippen. Kleiner Fototipp: Hier lohnt es sich wirklich nur, am frühen Abend zu fotografieren, weil nur dann die Sonne auf die Felsen scheint und es kein Gegenlicht gibt. Den Rest des Tages wirken die Klippen vom Aussichtspunkt aus eher grau.

Wir ließen daher die Umzäunung des Visitor Centers hinter uns und wanderten oben an den Klippen entlang Richtung Norden. Hier gab es immer wieder tolle, sonnenbeschienene Ausblicke auf die Felsen unter uns. Nach meinen geliebten Papageitauchern hielten wir leider vergebens Ausschau – offenbar war es die falsche Jahres- oder Tageszeit. Je weiter wir uns vom Besucherzentrum entfernten, umso weniger Trubel umgab uns. Von oben sahen wir schließlich noch ein paar weitere Halteplätze, wo wir unser Auto kostenlos hätten abstellen können. Nächstes Mal sind wir schlauer.

Für den Abend hatten wir uns ein B&B in Ballyvaughan ausgesucht. Um zu der kleinen Ortschaft im Norden des County Clare zu gelangen, ging die Fahrt durch den Burren – eine wahrlich skurrile Landschaft: kein Baum, kein Strauch, nur grauer Felsen, über den der Wind fegt. Leider hielten wir viel zu selten an, da wir morgen den Burren ja noch mal ausführlich anschauen wollten und es auch Zeit für die Einkehr ins B&B und in den abendlichen Pub wurde.

Wanderung durch den Burren Nationalpark

Am nächsten Morgen gab uns unser Gastwirt nach dem Frühstück noch ein paar gute Tipps mit auf den Weg, und wir fuhren los, auf die Suche nach der grauen Steinlandschaft. Insgesamt mussten wir feststellen, dass die spektakulärste Strecke offenbar die gestrige Route am Meer entlang war – so viel Felsen wie dort sahen wir heute nicht. Dafür stand Kultur auf dem Programm: Erster Halt war der Poulnabrone Dolmen, eine rund 4000 bis 5000 Jahre alte Grabstätte. Im Sommer muss es hier laut Reiseführer sehr voll werden, wir hatten an diesem Märztag das Glück, die einzigen Besucher zu sein, und konnten uns daher in Ruhe den Steinkreis mit seiner Deckenplatte, die erstaunlicherweise noch immer hält, anschauen.

Eine Vollbremsung auf der Landstraße bescherte uns das zweite schöne Fotomotiv: die Kirchenruine von Carran. In der Hoffnung, dass kein Traktor kommen würde, parkten wir an einem Feldweg und machten ein paar Bilder von der Kirche und dem Friedhof mit seinen verwitterten alten Grabsteinen.

In Killnaboy folgten wir dem Tipp unseres Gastwirts der vergangenen Nacht und bogen an einer wiederum verfallenen Kirche links ab. Obwohl dort kein Schild stand, führte uns diese Straße direkt in den Burren Nationalpark hinein. Mit Blick auf einen imposanten nackten Felsenberg ließen wir unser Auto in einer Parkbucht an der Straße stehen und suchten uns einen der bestens markierten Wanderwege aus. Zwar hatten sich die Wolken vom Morgen verzogen, aber wir trauten dem Wetter nicht so ganz und entschieden uns daher für die nur 40-minütige grüne Tour, die uns durch ein kleines Wäldchen mit niedrigen Bäumen und Ausblicken auf die Burren-Felsen führte.

Auf dem Rückweg Richtung Norden nahmen wir die winzige, aber ausgeschilderte Straße Richtung Kinvarra und beteten, dass kein Gegenverkehr kommen würde. Hier konnten wir nochmal in aller Ruhe eine schöne Sicht auf die Berge des Burren genießen.

Da es noch nicht so spät war, entschlossen wir uns, noch die etwas längere Strecke bis Clifden in Connemara zu fahren. Die Geschichte über unseren Aufenthalt im County Galway folgt dann in der nächsten Etappe. Du kannst dich schon mal drauf freuen …

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Alle Irland-Etappen auf einen Blick

 

 

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6 Kommentare

  • Schöner Bericht!
    Wir fahren auch bald wieder nach Irland und werden eine ähnliche Strecke fahren, nur umgekehrt ;).
    Wir starten in Kinvara und fahren bis Killarney über den Wild Atlantic Way und dann über Cork und Kilkenny zurück nach Dublin. Wir haben allerdings nur 5 Tage Zeit. Aber ich freue mich trotzdem schon riesig!
    Ich habe 2013 ein halbes Jahr in Irland gelebt und da auch schon einige der Punkte, wie die Cliffs of Moher, den Burren, Connemara, Ring of Kerry und der Dingle Peninsula, gesehen.
    Dingle und den Ring haben wir im April besucht und da war es auch noch recht karg, aber trotzdem wunderschön! (Dingle hatte uns auch besser gefallen als der Ring)
    An den Cliffs und in Connemara waren wir im Juli und das Wetter war so bombastisch (ich hatte mega Sonnenbrand!). Da waren die Cliffs aus jeder Richtung im besten Licht, aber da kein Lüftchen ging (was ja eher ungewöhnlich ist), schlugen auch keine Wellen an die Klippen. Ich bin schon sehr gespannt wie der Unterschied jetzt im Herbst sein wird.
    Dein Bericht und die schönen Bilder steigern jedenfalls meine Vorfreude noch mehr!
    Danke dafür!
    Hier unsere Erinnerungen an Irland 2013 http://zitronentour.de/erinnerungen-an-irland-2013/ Vielleicht interessiert dich der Vergleich ;)
    Liebe Grüße
    Jenny

    • Oh, wie schön! Jetzt ist es wahrscheinlich schon etwas grüner als bei uns. Wir hatten noch das Wintergrau ;-) Wie lange bist du denn unterwegs in Irland?

  • Liebe Sabine,
    ich glaube langsam, dass die Papageientaucher gar nicht bei den Cliffs leben. Egal zu welcher Jahreszeit ich da war: Die hübschen Vögel waren es nie.

    Wahrscheinlich nur ein Marketing Gag. :-(

    Hach..deine Fotos wecken Sehnsucht. :-)

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