Pubs in Irland: eine Gebrauchsanleitung

Neun Tage Irland liegen hinter mir, und damit acht Pub-Besuche (warum es keine neun waren, erfährst du ganz unten beim letzten Punkt). Für mich gehören Besuche in den urigen Pubs bei Reisen nach Irland – genauso wie in England, Wales und Schottland – einfach dazu.

Ja, es gibt auch bei uns in Deutschland gemütliche Kneipen, aber ein Pub-Besuch ist noch mal etwas ganz Besonderes. Es fängt an mit den gemütlichen, oft etwas schummerigen Einrichtungen, geht über die skurrilen Menschen, die man dort trifft, und hört bei den speziellen Gepflogenheiten in den Lokalen auf. Denn ein Pub-Besuch läuft in vielerlei Hinsicht etwas anders ab als ein Kneipenbesuch hierzulande. Hauptsache, es gibt was zu trinken? Von wegen …

10 Tipps für den Besuch im irischen Pub

  1. In manchen Pubs in Irland gibt es nur Getränke, andere servieren auch Essen. Zu erkennen ist dies meist an einer Karte draußen am Laden. Wird dort Pub Food oder Bar Food angepriesen, kannst du davon ausgehen, dass du nicht verhungern wirst. Im Zweifel einfach an der Theke fragen.
  2. Wenn du nur etwas trinken möchtest, gehst du am besten direkt an die Bar und bestellst dir dein Getränk. Bezahlt wird sofort an der Theke. Trinkgeld erwarten die Ausschenker in der Regel nicht.
  3. Getränke vom Fass gibt es in zwei Größen: Du bestellst entweder ein Pint (0,568 Liter) oder ein Half Pint (0,284 Liter) Guiness, Ale, Stout oder anderes Bier vom Fass, zu erkennen an den Zapfstellen. Auch der leckere Cider – kohlensäurehaltiger Apfelwein, der süßer ist als etwa unser Äppelwoi – wird oft frischgezapft. Flaschengetränke stehen in einem Kühlschrank hinter der Theke, Whiskeyflaschen hängen an der Wand. Einfach auswählen, eine Karte gibt es in der Regel nicht.
  4. Wenn du auch etwas essen willst, fragst du beim Betreten des Pubs die Bedienung nach einem freien Tisch. In diesem Fall bestellst du deine Getränke am Tisch, nicht an der Theke, und du zahlst die Getränke am Ende mit der Gesamtrechnung.
  5. Bei Bestellungen  am Tisch freuen sich die Kellner über ein Trinkgeld. Dabei wird nicht, wie bei uns, die Rechnung aufgerundet, sondern du lässt nach dem Bezahlen einfach ein paar Euro auf dem Tisch liegen.
  6. Viele Pubs unterscheiden zwischen einer Tageskarte und einer Abendkarte. Wechsel ist meist gegen 18 Uhr. Abends sind die Mahlzeiten ein paar Euro teurer als tagsüber (es ist aber noch immer günstiger als ein Besuch in einem Restaurant), und das Angebot ist ein bisschen anders. Wenn du Geld sparen möchtest, solltest du in einem Pub also vor 18 Uhr Essen bestellen.
  7. Wenn du an der Theke eine Gruppe lustiger Iren kennenlernst, ist es üblich, dass jeder reihum eine Runde ausgibt. In unserem Reiseführer haben wir den Tipp gelesen, möglichst früh eine Runde zu bezahlen, damit du nicht bis zum Ende mit den trinkfesten Iren mithalten musst, sondern dich ohne schlechtes Geiwssen ausklinken kannst, wenn du genug hast. Wir sind auf unserer Reise nicht in die Verlegenheit gekommen, für andere Runden ausgeben zu müssen.
  8. In Irland gilt – im Gegensatz zu England und Wales – noch immer die Sperrstunde: In der Woche erklingt gegen 23 Uhr eine Glocke, oder der Barmann ruft „Last order“. Dann kannst du noch ein letztes Bier – oder auch zwei – bestellen und auftrinken, bevor der Pub endgültig schließt. Am Wochenende bleiben die Kneipen oft bis 1 Uhr geöffnet.
  9. Statt des gälischen „Slàinte!“ wirst du in den meisten irischen Pubs beim Zuprosten eher ein englisches „Cheers!“ zu hören bekommen. Denn obwohl Gälisch Amtssprache des Landes ist, wird es nur von drei Prozent der Bevölkerung wirklich als erste Sprache gesprochen. Willst du deinem Nachbarn trotzdem auf Gälisch zuprosten, dann findest du hier die richtige Aussprache von Slàinte.   
  10. Karfreitag haben alle Pubs in Irland geschlossen. Denn das ist der einzige Tag im Jahr, an dem in Irland kein Alkohol ausgeschenkt werden darf. Auch in Restaurants bekommst du dann nur alkoholfreie Getränke serviert. War schon ein lustiges Bild, an Karfreitag die gestandenen Männer mit langen Gesichtern vor ihren Wassergläsern sitzen zu sehen …

Warst du auch schon mal in einem Pub in Irland oder in Großbritannien? Welche Besonderheiten hast du dort erlebt? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

 

 

Du willst noch mehr Ferngeweht?

Newsletter abonnieren & E-Book "49 Gedanken zum Fernweh" kostenlos herunterladen

Du kannst den Newsletter jederzeit wieder abbestellen.

13 Kommentare

  • Ich mag die Atmosphäre in den Pubs auch total. An die „Regeln“ gewöhnt man sich da ganz schnell. Besonders schön finde ich immer, wenn es dann noch Live-Musik von den Einheimischen gibt. Total gemütlich.

  • Diesen Artikel hätten wir gut vor unserer Abreise nach England gebraucht. 🙂
    Am ersten Abend im Pub wurden wir, gefühlt eine Stunde, nicht beachtet. Am Tisch neben uns wurde Geschirr abgeräumt, am nächsten Essen serviert – nur uns ignorierte man. Fast wollten wir das Pub verlassen. Da es aber urgemütlich war, mit knisterndem Kaminfeuer, haben wir die Leute am Nachbartisch befragt, was es mit dem Bestellen auf sich hat.
    Spontan wurden wir auf ein Bier /Cola eingeladen und in die Geheimnisse eines Pub-Besuches eingewiesen.

  • In den irischen Pubs mag ich besonders die ungezwungene Atmosphäre so gern. Es sieht ja auch teilweise aus wie im Wohnzimmer, mit den gemütlichen Sofa-Sitzecken und dem prasselnden (Torf-) Feuer.
    Die Krönung ist natürlich, wenn spontan die Musik aufspielt!

    Beste Grüße, Sabine

    • Stimmt! Wir hatten zweimal das Glück, Musiker in Pubs anzutreffen. Das eine Mal war es … naja, so lala. Beim zweiten Mal haben wir aber einen echt guten Sänger erwischt. Sollte man bei uns in den Kneipen auch viel öfter machen!

  • Ein sehr schöner Artikel! Ich habe bisher vor allem Pubs in England getestet – tolle Atmosphäre! Früher hatte ich allerdings öfters das Problem, dass Kinder nicht hineingelassen werden. Diese Regelung ist mittlerweile gelockert, die Kinder dürfen nur nicht direkt an die Theke. Mein Lieblings-Pub-Essen ist übrigens Pkoughman’s Lunch – einfach köstlich!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.