Mindo: Birdwatching (fast) kostenlos

Ein Golden Tanager.

Mindo liegt im Norden von Quito und ist ein Paradies für Vogelfreunde. Wenn du es genau wie wir liebst, Vögel zu beobachten, ist Mindo auf einer Reise durch Ecuador für dich ein Muss. Wir haben drei Nächte in Mindo verbracht und hätten es in dem entspannten kleinen Ort auch noch länger ausgehalten.

Ein Flame-faced Tanager.

In Mindo gibt es mehrere Tourveranstalter, die Vogeltouren mit einem erfahrenen Führer anbieten. Der Nachteil: Teilweise sind diese Touren sehr teuer: Bis zu 110 US-Dollar pro Person werden verlangt, je nachdem, wie weit die Birdwatching-Spots entfernt und welche Vögel dort zu sehen sind. Für den seltenen Roten Felsenhahn zum Beispiel werden 65 Dollar pro Person aufgerufen – ohne Garantie natürlich, dass er auch wirklich zu sehen sein wird. Ach nö, das war uns das Vergnügen dann doch nicht wert.

Wenn du trotz schmalem Geldbeutel auf Vogelsichtungen in Mindo nicht verzichten willst, habe ich für dich vier Tipps für (fast) kostenlose Birdwatching-Spots parat:

Birdwatching-Spot Nr. 1: Yellow House

Entlang der Straße, die nordöstlich vom Parque Central in Mindo abgeht, kommst du nach fünf Minuten Fußweg zur Lodge Yellow House. Yellow House ist aber nicht nur eine Unterkunft, sondern gehört zu einem riesigen Gelände, in dem du stundenlang wandern kannst. Wir haben uns morgens um 6 Uhr aufgemacht, um in der Früh Vögel im Wald zu beobachten.

Der Eintritt zu den Wanderwegen kostet pro Person sechs Dollar und ist am Eingang zu entrichten. Wir mussten so früh am Morgen erst die Besitzerin aus dem Bett klingeln. Nach einer ganze Weile kam sie verschlafen hinunter, kassierte unser Geld, reichte uns eine Karte und zeigte uns den Einstieg zu den Trails. Mein Tipp: Lieber schon am Vorabend den Eintritt bezahlen und die Wegbeschreibung abholen, dann sparst du morgens eine Menge Zeit. Vom Eingang bis zum ersten Trail am Eingang des Regenwalds bist du nämlich noch mal eine Stunde über das Farmland unterwegs. Wir waren erst um halb acht Uhr am Wald – eigentlich schon ein bisschen spät für morgendliche Vogelsichtungen.

Die Wege im Yellow House sind bestens ausgeschildert.

Insgesamt gibt es in Yellow House fünf Rundwege unterschiedliche Länge – wir liefen die ersten vier und brachen den fünften ab, weil der Weg zum Fluss sich als weiter erwies als auf der Karte eingezeichnet. Die Rundwege führen über Stock und Stein durch dichten Regenwald. Die Wege an sich sind toll und genau das Richtige für Dschungelfreunde wie uns. Allerdings machte der dichte Wald es uns nicht leicht, Vögel zu entdecken. Wir haben auf unserer Tour viele Vogelstimmen gehört, konnten ihre Besitzer aber durch das Dickicht nicht ausmachen.

Ganz stolz war ich, als sich direkt über mir zwei Hokkohühner (crested guan) durch lautes Kreischen bemerkbar machten. Auf dem Rückweg entdeckten wir noch ein paar weitere Vögel: einen Specht, einige Kolibris, einen Ameisenvogel und viele Kuhreiher mitten in einer Rinderherde. Auch wenn an dem Tag die Birdwatching-Ausbeute nicht so ergiebig war, kann ich einen Ausflug zum Yellow House trotzdem empfehlen. Birdwatching ist halt Glückssache.

Ein Hokkohuhn.

Birdwatching-Spot Nr. 2: San Lorenzo

Eine bezahlte Birdwatching-Tour haben wir uns dann doch gegönnt: Morgens um 6 Uhr holte uns ein Taxifahrer von der Unterkunft ab und fuhr uns mit unserem Guide Danny Jumbo zum Ende der Straße San Lorenzo, die zu den Wasserfällen führt. Hier hatten wir einen freien Blick ins Tal und schauten von oben auf die Bäume. Beste Bedingungen also, um Vögel zu sehen! Auf der Tour mit Danny lernten wir, dass man als professioneller Birder vor allem eines braucht: Geduld. Wir standen über eine Stunde auf dem gleichen Fleck, während unser Guide versuchte, die Vögel, die wir hörten, ausfindig zu machen. Wir waren beeindruckt, was er und wir alles entdeckten: verschiedene Tukane und Toucanets, bunte Tanager, winzige Zaunkönige (wrens), Spechte, Baumsteiger (wood creeper) und sogar einen seltenen Quetzal – insgesamt um die zwei Dutzend verschiedene Vögel.

Ein Golden-headed Quetzal.

Durch das Spektiv, das starke Fernrohr unseres Birding Guides, konnten wir Vögel, die weit weg im Baum saßen, ganz nah beobachten – und ich wusste, wohin ich mein Zoomobjektiv lenken musste, um ein paar gute Fotos zu machen. Nachdem alle Vögel am Ende der Straße aufgewacht waren, liefen wir Schritt für Schritt die Straße nach Mindo zurück und hielten immer wieder an, um einen Blick durch das Spektiv zu werfen. Gegen halb zehn merkten wir, wie die Vogelstimmen langsam stiller wurden und die Vögel sich vor der Wärme des Tages zurückzogen. Auch für uns blieb dann nur der sieben Kilometer lange Fußmarsch zurück nach Mindo.

Ein Toucanet.

Für diese Birdwatching-Tour haben wir für zwei Personen 68 Dollar bezahlt. Im Grund hätten wir sie aber auch allein machen können: Mit einem Taxi kommt man bequem zum Ende der Straße San Lorenzo. Einziges Problem wäre gewesen: Wir hätten nicht so ein tolles Spektiv gehabt wie unser Guide, sodass uns so manch kleiner Vogel entgangen wäre. Und wir haben nicht so einen geschulten Blick wie unser Vogelexperte, der uns zudem auf Anhieb den englischen Namen jeden einzelnen Vogels nennen konnte. Wer aber ein gutes Fernglas und ein geübtes Auge hat, kann die Morgentour nach San Lorenzo auch allein unternehmen.

Ein Tukan.

Birdwatching-Spot Nr. 3: Tree House

Kurz vor dem Ende der Wasserfallstraße San Lorenzo befindet sich auf der linken Seite ein unscheinbares Schild: Tree House Café, Birdwatching. Wir haben uns von einem Taxifahrer für vier Dollar zum Tree House bringen lassen, haben auf der kleinen Terrasse des Cafés ein Getränk bestellt und gespannt darauf gewartet, was passieren würde. Und es dauert in der Tat nicht lange, bis die große Vogel-Show begann. Die Café-Besitzer hängen nämlich jeden Tag drei Kolibri-Futterplätze mit süßem Wasser auf die Terrasse und spießenauf die Bäume direkt vor der Terrasse halbe Bananen auf Nägel, die sie in die Äste geschlagen haben. Für die Vögel ein wahres Fest – ebenso wie für uns!

Ein Golden-naped Tanager.
Ein Red-headed Barbet.

Zwei Stunden lang saßen wir auf der Terrasse und sahen unzählige wunderschöne bunte Vögel kommen und gehen, vor allem Tanager, Bartvögel (barbets) und Kolibris. Manche bleiben längere Zeit, andere lassen sich nur mal kurz blicken. Ein paar der Arten gibt es in großer Zahl, andere sind eher Einzelgänger oder als Paar unterwegs. Bestimmt zehn Kolibris schwirren unablässig um die Futtertöpfe herum und streiten sich um den vermeintlich besten Platz.

Zwei Kolibris an der Futterstation

Wir waren in den zwei Stunden fast allein im Café. Nur zweimal kamen kurz ein paar andere Besucher, die jedoch nach einem Getränk schon wieder verschwanden. Das El Eden Tree House ist also noch ein echter Geheimtipp. Wer mag, kann übrigens in dem Baumhaus auf dem Gelände, das dem Café seinen Namen gibt, auch übernachten.

Birdwatching-Spot Nr. 4: Die eigene Unterkunft

In Mindo gibt es zahlreiche Unterkünfte zur Auswahl. Vorbuchen ist – außer am Wochenende, wenn die Einheimischen in Scharen im Ort einfallen – nicht nötig. Wenn du gern ganz bequem Vögel beobachten möchtest, empfehle ich dir, eine Unterkunft mit Garten zu wählen. Wir waren in der Casa de Cecilia am Ortsrand. Am Flussufer befindet sich direkt neben dem Restaurant eine nette Sitzgelegenheit mit ein paar Stühlen, von denen aus du den besten Blick auf einen Baum hast, in dem die Hostelbesitzer ebenfalls ein paar Bananen sowie eine Kolibri-Futterstation aufgehängt haben.

Ein Masked Tanager.

Auch hier kommen den ganzen Tag lang die unterschiedlichsten Vögel vorbei – allerdings nicht in so großer Vielfalt wie am Tree House. Dafür landen gern auch mal Geier auf dem Dach des Hauses, und in den Büschen am Fluss zierpt es unablässlich. In anderen Unterkünften, die einen Garten haben, wird es ähnlich munter zugehen.

Was du sonst noch in Mindo machen kannst

Auch für Leute, die mit Vogelbeobachtungen nicht so viel anfangen können, hat Mindo viel zu bieten:

  • Du kannst am Ende der Straße San Lorenzo mit einer Seilbahn auf die andere Seite des Flusses fahren und dort zu verschiedenen Wasserfällen wandern und baden.
  • Du kannst dich mit alten Autoreifen den Fluss hinuntertreiben lassen (Tubing).
  • Du kannst den Schmetterlingsgarten Mariposario besuchen. (Es gibt zwei – der außerhalb der Stadt ist der bessere, unter anderem, weil sie ihre Schmetterlinge selber züchten und nicht aus der Natur einfangen).
    Zutrauliche Schmetterlinge im Mariposario.
  • Du kannst einen Orchideengarten besuchen.
  • Du kannst mit der längsten Zipline Ecuadors durch die Baumwipfel sausen.
  • Du kannst Pferde ausleihen.
  • Du kannst eine Nachtwanderung machen. (Sehr zu empfehlen! Wir haben neben Spinnen, Stabheuschrecken und Fledermäusen ganz viele Frösche gesehen.)

Und: Waren das genug bunte Vögel? Welcher hat dir am besten gefallen? Falls du zudem Fragen zu Mindo hast, schreib sie einfach in den Kommentar.

 

 

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5 Kommentare

  • So richtig entscheiden kann ich mich nicht welcher Vogel mir am Besten gefällt. Aber als als ich in Brasilien war, freute ich mich jedesmal Tukane oder Kolibris zu sehen. Die Tanagare haben es mir aber auch angetan.

    Südamerika ist so einzigartig und schön was Vögel angeht. Freue mich schon auf das nächste Mal

    Danke für den Tipp Mindo in Equador

  • Das Highlight war wahrschenlich der Quetzal. Anscheinend bist Du jetzt auch unter die Vogelbeobachter gegangen. Es ist wirklich eine schöne Beschäftigung, umso mehr in der Tropen, wo viele Vögel groß und bunt sind.

    • Für mich war der Quetzal gar nicht unbedingt das Highlight. Ich fand die kleinen bunten Tanager eigentlich noch viel spannender :-) Dass die Vögel in den Tropen alle groß sind, kann ich leider auch nicht bestätigen. Es gibt ganz viele winzige. Deshalb war es ja so schwierig, sie selber im Yellow House zu entdecken.

      • Viele Vögel sind groß und bunt, nicht alle. Jedenfalls fiel mir das im Gegensatz zu den europäischen Vögeln auf. Natürlich sind auch die kleinen Vögel spannend, nur ist es ungleich schwieriger, sie vor die Linse zu bekommen, weil sie meist viel zu aufgeregt oder gut getarnt sind. Mit viel Geduld gelingt manchmal trotzdem das ein oder andere Foto, was dann Extrafreude bei mir auslöst.

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