Ein Tag im Cotopaxi Nationalpark

Die gut 200 Kilometer lange Strecke zwischen Quito, der Hauptstadt Ecuadors, und Riobamba im Landeszentrum hat der Naturforscher Alexander von Humboldt die „Straße der Vulkane“ genannt. Entlang der Panamericana befinden sich 22 der insgesamt 73 Vulkane von Ecuador. Einer der bekanntesten ist der Cotopaxi, mit 5897 Metern der zweithöchste Vulkan in dem kleinen Andenland.

Wir sind auf unserer vierwöchigen Ecuador-Reise zweimal die Panamericana zwischen Quito und Baños gefahren – doch die Vulkane haben sich beide Male unter einer niedrig hängenden Wolkenschicht versteckt. Kurz vor unserer Abreise ergriffen wir unsere letzte Chance, doch noch einen wolkenfreien Vulkan zu sehen: Wir besuchten den Cotopaxi Nationalpark.

So langsam verziehen sich die Wolken vom Cotopaxi.

Wie kommst du in den Nationalpark Cotopaxi?

Öffentliche Verkehrsmittel fahren keine in den Nationalpark. Wie gelangst du also am besten zum Ziel? Es gibt folgende Optionen:

  • Du buchst einen eigenen Mietwagen. Nachteil: Damit kannst du nur einen kleinen Teil des Parks besuchen, nämlich das Besucherzentrum mit Museum und die Laguna Limpiopungo, einen Bergsee. Diese Strecken sind Schotterpisten. Zum Parkplatz unterhalb des Refugio José-Ribas, einer Schutzhütte auf 4885  Metern Höhe, wird es mit einem normalen Pkw schwierig. Auch für die anderen Straßen im Park ist ein Wagen mit Vierradantrieb unbedingt nötig.
  • Du nimmst ab Machachi ein Taxi in den Park. Das Taxi kommt aber auch nur bis zum See.
  • Du nimmst ab dem Abzweig der Panamericana zum Parkeingang einen der Jeeps, die auf Besucher warten. Die Jeeps können bis zur Schutzhütte fahren.
  • Du versuchst am Wochenende, wenn viele Einheimische den Park besuchen, ab dem Abzweig der Panamericana eine Mitfahrgelegenheit in den Park zu bekommen.
  • Du buchst von Quito oder von Latacunga aus eine organisierte Tour.
  • Du buchst eine Unterkunft, meist auf einer Hacienda, in der Nähe des Parks und nimmst dort an den geführten Ausflügen teil. Die Haciendas kosten meist weit mehr als eine Unterkunft in Quito oder Latacunga.
Noch hat der Cotopaxi eine Haube auf.

Welche Touren kannst du im Nationalpark Cotopaxi machen?

Wir haben uns für eine organisierte Tour entschieden. In Latacunga gibt es ein paar Reisebüros, die unterschiedliche Ausflüge anbieten.

  • Der beliebteste ist ein Aufstieg zum Gipfel des Cotopaxi. Diese Tour dauert zwei Tage, am zweiten Tag geht es früh los, um zum Sonnenaufgang auf der knapp 6000 Meter hohen Bergspitze zu stehen.
  • Ebenfalls beliebt ist eine Tour zum Refugio José-Ribas auf 4885  Metern, von wo aus du ohne Führer 200 Meter weiter hinauf bis zur Gletscherkante laufen kannst.
  • Manche Reisebüros bieten vom Refugio eine Abfahrt mit dem Mountainbike an.
  • Auch Reittouren im Nationalpark sind im Angebot.
Beliebt: Mountainbiking im Cotopaxi Nationalpark.

Wir hatten keine Lust, uns in solchen Höhen zu bewegen, weil wir an den Vortagen schon viel gewandert waren. Daher haben wir uns für eine Tour entschieden, die in Latacunga (unserer Recherche nach) nur von Volcán Route Expeditions angeboten wird: eine Jeeptour durch den Nationalpark Cotopaxi. Welche Touren von Quito aus angeboten werden, haben wir nicht recherchiert.

Jeeptour durch den Nationalpark Cotopaxi

Um 8:30 Uhr holte uns unser Guide Marco an unserem Hotel in Latacunga ab. Nach einem Blick zum blauen Himmel versicherte er uns: Ein perfekter Tag für einen Vulkanbesuch! Und tatsächlich: Kaum waren wir auf der Panamericana angekommen, sahen wir linkerhand bereits die beiden Gipfel des Vulkans Illiniza aus den Wolken hervorstechen. Und auf der rechten Seite der Straße ragte der Cotopaxi mit seiner schneebedeckten Spitze empor. Wow!

Der Vulkan Illiniza lässt sich kurz blicken.

Museum im Besucherzentrum

Nachdem Marco uns am Parkeingang angemeldet hatte, fuhren wir zunächst zum Besucherzentrum, das ein kleines Museum beherbergt. Auf Schautafeln werden die Entstehung der Vulkane und die Besonderheiten der umliegenden Natur erläutert. Besonders beeindruckt haben mich zwei Bilder des Cotopaxi: eines von heute, ein weiteres von vor 20 Jahren. Traurig, wie stark der Gletscher aufgrund der allgemeinen Erwärmung in gerade mal zwei Jahrzenten zurückgegangen ist und wie wenig nur noch von ihm übrig ist.

Die Straße der Vulkane im Überblick. (Foto: Jochen Hafner)

Im Museum kannst du dir übrigens auch einen Stempel vom Cotopaxi in deinen Reisepass geben lassen. Leider hatten wir unsere Pässe im Hotel gelassen.

Vom Museum aus führt ein rund 800 Meter langer Fußweg an einer kleinen Schlucht entlang. Entlang des Weges finden sich typische Gewächse des Hochlandes, und wir entdeckten sogar einen Greifvogel auf seinem Flug in die Schlucht hinein. Wir liefen den Weg bis zum Ende, wo Marco uns bereits mit dem Jeep erwartete.

Laguna Limpiopungo

Nächster Stopp war der Bergsee Limpiopungo. Da wir die Tour an einem Sonntag gemacht haben, war der Parkplatz schon voll mit Autos von Einheimischen, die das Wochenende im Nationalpark verbrachten. Unter der Woche soll es hier weit weniger trubelig zugehen. Ein rund zweieinhalb Kilometer langer Fußweg führt um den See herum. Nur wenige der Besucher gehen die ganze Runde – nach der ersten Ausblicksplattform drehen die meisten um, sodass du den See danach fast ganz für dich allein hast.

Wildpferde grasen vor dem Vulkan Ruminahui

Wir haben uns lange Zeit gelassen für den Rundweg, weil es auf dem Wasser und im Gras viele Vögel zu entdecken gibt. Am Ufer weiden wilde Pferde, im Hintergrund ragt der Vulkan Ruminahui empor, den man auf einer anstrengenden mehrstündigen Wanderung erklimmen kann (was wir nicht getan haben).

Rund um den See war es bei unserem Besuch sehr windig – eine Windjacke ist also ein Muss. Der Wind hatte allerdings auch den Vorteil, dass er immer wieder den Nebel wegwehte, der sich um den Gipfel des Cotopaxi sammelte. Ein tolles Fotomotiv aus dieser Perspektive!

Die Wanderung um die Laguna Limpiopungo lohnt sich. (Foto: Jochen Hafner)

Picknick am Fluss

Kurz hinter der Laguna Limpiopungo wurde es abenteuerlich: Marco verließ die Schotterpiste und fuhr scheinbar querfeldein über eine beeindruckende Holperstrecke in Richtung Osten um den Vulkan Cotopaxi herum. Irgendwo schien es hier einen Weg zu geben, Autospuren waren der Beweis, dass wir nicht die ersten waren, die diese Strecke fuhren. Ohne einen ordentlichen Wagen mit Allradantrieb und viel Bodenfreiheit hat man hier jedoch keine Chance: So manche Felsen überwanden wir nur in Zeitlupe, Flüsse wurden gefurtet, sandige Abschnitte gemeistert.

Wildpferde im Hinterland des Nationalparks.

Wir klammerten uns an unsere Sitze und genossen jede Minute der Fahrt. Es ging vorbei an Herden von Wildpferden und Stieren. Einmal passierten wir eine Gruppe Mountainbiker – und waren froh, uns gegen eine Radtour durch den Park entschieden zu haben. Diese heftige Strecke hätte ich nicht mal mit dem Rad fahren wollen.

Pünktlich zur Mittagszeit kamen wir zu einem Fluss, wo wir unser mitgebrachtes Picknick aßen. Außer ein paar Enten auf dem Wasser und uns war niemand anders dort zu sehen – eine himmlische Ruhe.

Los geht’s auf die Wanderung zu den Ruinen.

Inka-Ruinen Pucará del Salitre

Nach dem Mittagessen setzte sich Marco wieder in den Jeep und ließ uns allein. Bis zu der Erhebung rund ein Kilometer weiter nördlich sollten wir laufen, dort würde er auf uns warten. Dies war für mich der schönste Teil der Tour: Nur wir zwei mitten in den Weiten des Nationalparks. Rund um uns nichts als Berge und Felsen. Hin und wieder landete ein Vogel neben uns, ansonsten war nichts zu hören als der Wind.

Viel Nichts im Nationalpark Cotopaxi. (Foto: Jochen Hafner)

Als wir den Hügel erreicht hatten, winkte uns Marco schon von oben zu. Auf dem Plateau des Hügels befindet sich eine alte Inka-Ruine. Das Fort wurde vermutlich Ende des 15. Jahrhunderts gebaut, um von oben die angreifenden Truppen früh zu entdecken. Heute sind noch die Grundmauern vorhanden. Am Fuß des Hügels steht ein Rundbau, der ebenfalls aus Inka-Zeiten stammen soll und heute Wanderern als Schutzhütte dient.

Was vom Inka-Fort übrigblieb. (Foto: Jochen Hafner)

Rückfahrt nach Latacunga

Auf der holprigen Rückfahrt zur Laguna Limpiopungo zeigte sich der Cotopaxi immer wieder von seiner schönsten Seite. Immer wieder hielten wir an, um den wolkenfreien Gipfel zu fotografieren. Wenn man genau hinschaut, sieht man von unten sogar das Refugio José-Ribas unterhalb des Gletschers, und in der Sonne blitzt hin und wieder ein Auto auf dem Weg zur Schutzhütte auf.

Nach rund acht Stunden kamen wir wieder in Latacunga an. Wir waren uns einig: Die 80 Dollar für den Tag im Cotopaxi Nationalpark waren bestens angelegt!

Warst du auch schon mal am Cotopaxi? Was würde dir besser gefallen: eine Besteigung des Gipfels oder eine Jeeptour am Fuße des Berges?

 

 

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18 Kommentare

  • Hallo, ich bin gerade in Quito und bin beim Recherchieren über deinen Beitrag gestolpert. Zu aller erst: er gefällt mir sehr. Du hast eine sehr sympathischen Schreibstil und die Bilder sind natürlich auch top!
    War die Jeeptour eine private Tour und war es in einer größeren Gruppe? Und sind die 80$ pro Person oder für zwei.

    Schon mal danke für deine Antwort :)
    Lieben Gruß, Marlen

    • Hallo Marlen, die Jeeptour mit Fahrer war nur für uns zwei, und wir haben zusammen 80 Dollar bezahlt. Erst sollte es 100 Dollar kosten, aber der Anbieter ist nach unserem Zögern auf 80 runtergegangen. Gebucht haben wir wie gesagt in Latacunga. Was die Touren ab Quito kosten, weiß ich nicht.

  • Hach, da bekomme ich direkt wieder Sehnsucht, ein so schönes Fleckchen Erde und die Fotos sind traumhaft. Wir sind abseits unserer Wanderung bis zur Gletschergrenze auch noch mit dem Auto durch den Park gefahren, der Limpiopungo See hat mir auch sehr gut gefallen, das Musuem war auch wirklich interessant. Liebe Grüße, Alexandra

  • toller Beitrag, ich muss unbedingt mal nach Ecuador. Deine Bilder sind super und machen Lust dorthin zu reisen. Ich würde natürlich gerne den Gipfel besteigen. Muss bestimmt eine tolle Aussicht sein von da oben. LG Steffen

  • oh, da werden ganz viele Erinnerungen wach. ich war schon häufiger in Ecuador, aber zu den Vulkanen hat es mir nie gereicht. habe Sie immer nur in Quito in der Ferne gesehen. ich träume immer mal von einer Wandertour. Geht hoffentlich mal in Erfüllung.

  • Danke für diesen Artikel. Ecuador steht schon lange auf meiner Wunsch-Reiseliste. Bei den Bildern ist das Fernweh gerade noch ein Stück größer geworden!

  • Ach, was ist das traumhaft!
    Das hört sich für mich nach einer perfekten Tour an. Auf den Vulkan kraxeln oder mich mit dem Mountainbike rumschlagen wäre auch eher nicht mein Ding.
    So habt ihr viel zu sehen bekommen und auch kleine Wanderungen in der tollen Natur unternommen.

    Liebe Grüße Gina

    • Ja, wir waren auch sehr froh, auf diese Art in den Nationalpark zu kommen. Hätten wir die Tour nicht entdeckt, hätten wir uns den Cotopaxi wahrscheinlich ganz gespart.

  • Deine Ecuador Berichte bisher gefallen mir richtig gut. Aber meine Südamerika Liste wird dadurch immer länger :) Mir gefällt vor allem der Mix aus persönlichen Eindrücken und nützlichen Infos, echt top!
    VG, Schwerti

      • Och da gibt´s so einiges. Natürlich Machu Picchu, die Hanging Glaciers, Patagonien, vielleicht Galapagos, Salto Angel wäre cool, Iguazu Falls wäre cool. Und das reicht ja auch erstmal ;-) Da ich kein Spanisch kann, ist das alles immer etwas stressig. Da schiebe ich es lieber vor mir her und besuche erst noch ein paar andere Länder vorher. Aber wenn ich mal so 1-2 Monate Zeit habe und genug Kleingeld, würde ich nochmal da rüber fliegen.
        Bestimmt kommen von Dir auch noch einige tolle Vorschläge in Form von Artikeln ;)

        • Ui, das ist ja schon ein lange Liste für 1-2 Monate … (vor allem alles Orte, die recht weit auseinander liegen). Aber wenn es soweit ist, weißt du ja sicherlich selber, dass weniger mehr ist – vor allem in Südamerika. Wir haben in vier Wochen Ecuador gerade mal eine Strecke von Köln bis Frankfurt geschafft ;-) (plus Galapagos)

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