Galapagos: Ausflüge auf Isabela

Weiter geht unsere Reise über die Galapagos-Inseln: Nach zwei Tagen auf Santa Cruz haben wir die Fähre nach Isabela genommen. Um sieben Uhr morgens ging es vom Pier mit einem Schnellboot in rund zwei Stunden auf die Nachbarinsel. Wir haben zum Glück einen Platz auf der Hinterbank bekommen, sodass ich sowohl Frischluft als auch freie Sicht aufs Wasser hatte. Auf diese Weise habe ich die ruppige Fahrt ganz gut überstanden. Im Innenraum wäre mir sicherlich schlecht geworden.

Erster Eindruck von Isabela

Nachdem Santa Cruz eher eine trockene Insel war, überrascht uns Isabela mit Karibikfeeling. Die Küste ist von Grünpflanzen gesäumt, das Wasser ist kristallklar und leuchtet türkis. Im Hafen empfangen uns bereits die ersten Seelöwen, und ein Schwarm Blaufußtöpfel macht sich auf die Jagd nach Fischen. Toll!

Wir lassen uns mit einem Taxi zu unserem Hotel bringen, denn der Hafen liegt – im Gegensatz zu Santa Cruz – etwas außerhalb des Ortes Villamil. Unser Hotel ist rund 10 Minuten zu Fuß vom Zentrum entfernt. Nur wenige Straßen sind geteert, das meiste sind Sandpisten, was der Insel noch zusätzlich ein entspanntes Flair verleiht. Die wichtigste Straße im Zentrum verläuft parallel zum Strand und beherbergt mehrere Restaurants und Touranbieter. Am Strand befinden sich diverse Strandbars, doch leider ist es zu der Jahreszeit etwas zu windig, um gemütlich am Wasser zu sitzen.

Das Zentrum von Villamil auf Isabel. (Foto: Jochen Hafner)

Da wir die frühe Fähre von Santa Cruz genommen haben, haben wir nach dem Einchecken ins Hotel noch fast den ganzen Tag Zeit. Wir erkunden ein wenig den Ort Villamil und gönnen unserem wackeligen Magen nach der Fährüberfahrt ein Almuerzo. Dieses beliebte und günstige Mittagessen besteht aus einer Suppe, einer Hauptspeise – meist Reis mit einem Stück Fleisch oder Fisch und ein wenig Gemüse -, einem kleinen Nachtisch sowie einem Getränk. Es kostet auf Isabela zwischen 5 und 7 Dollar – auf dem Festland bekommt man es manchmal schon für unter 3 Dollar.

Leckeres Almuerzo. (Foto: Jochen Hafner)

Laguna Villamil

Am Nachmittag schlendern wir bis in westlicher Richtung den Strand entlang. Kurz nach den letzten Häusern des Dorfes, hinter dem Iguana Crossing Hotel, beginnt ein Pfad mit einem Holzweg, der uns an einem See vorbeiführt. In der Laguna Villamil stehen eine ganze Reihe von Flamingos im seichten Wasser und suchen nach Futter. Es ist gar nicht so einfach, von ihren Köpfen Fotos zu machen, weil sie ständig unter Wasser sind oder mit dem Kopf im Gefieder schlafen.

Kurz wach: Flamingo an der Laguna Villamil.

Vorbei an weiteren Wasservögeln geht der Pfad durch trockenes Gelände, bis wir zum Centro de Crianza gelangen, ebenfalls eine Aufzuchtstation für Riesenschildkröten. Im Gegensatz zu den Tieren in der Forschungsstation Charles Darwin auf Santa Cruz sind diese Schildkröten heute gut in Bewegung: Sie strecken ihre Hälse nach den untersten Blättern an den Bäumen und streiten sich um das frische Grün, das sie zum Fressen bekommen haben. Auch hier sind von Jungtieren bis zu ausgewachsenen Riesenschildkröten alle Altersstufen vertreten.

Schildkröten im Centro de Crianza.

Radtour zur Muro de las Lágrimas

Am zweiten Tag auf Isabela mieten wir uns Fahrräder. Entlang der Hauptstraße gibt es verschiedene Anbieter, die Mountainbikes kosten 10 Euro für vier Stunden oder 15 Euro für den ganzen Tag. Wieder geht es in Richtung Westen aus der Stadt hinaus. Vorbei am Eingang zur Laguna fahren wir auf der Sandpiste weiter geradeaus. Anfangs fluche ich noch, weil ich mit den Rad ständig im Tiefsand steckenbleibe und schieben muss. Aber der Blick auf das strahlend blaue Meer zu unserer Linken entschädigt für die Strapazen.

Endlos Strände auf Isabela.

Teiche

Am Ende des langen Strandes, kurz hinter einem Friedhof, befindet sich der Eingang zum Feuchtgebiet Muro de las Lágrimas. Wir müssen uns registrieren und dürfen dann mit unseren Rädern den fünf Kilometer langen Weg bis zur „Mauer der Tränen“ fahren. Rechts und links entlang des Schotterweges gibt es viel zu sehen: Rechts kommen wir immer wieder an Abzweigen zu größeren und kleineren Teichen vorbei. Wir stellen jedesmal unser Rad ab und laufen die paar Meter bis zum Ufer, aber Tiere sehen wir in der Mittagshitze keine.

Blick auf einen Teich im Feuchtgebiet.

Strände

Links des Weges befinden sich Eingänge zu kleinen Stränden. Gleich der erste, La Playita („Der kleine Strand“), ist mein absoluter Liebling: Unzählige Meerechsen sonnen sich hier neben-, unter- und übereinander unter den Bäumen, hin und wieder kriecht eine aus dem Wasser heraus auf den warmen Sand und hinterlässt dabei eine tiefe Spur im Sand. Nachdem die deutsche Wanderguppe, die den fünf Kilometer langen Weg zu Fuß geht, verschwunden ist, haben wir La Playita ganz für uns allein.

Traumstrand La Playita

Am nächsten Strand, dem Playa del Amor, krabbeln ebenfalls unzählige Echsen auf den schwarzen Felsen. Wir müssen genau hinschauen, um die schwarzen Echsen auf den schwarzen Steinen zu sehen. In der Nähe der Playa del Amor sehen wir auch die größte Echse unserer Reise – mit über einem Meter Länge ein wahres Riesenexemplar.

Eine riesige Meerechse.

Eine Bucht

Nächster Halt ist El Estero, die Bucht. Durch einen Tunnel aus Bäumen geht es zu einem ruhigen und sehr flachen Meeresarm, in dem das Wasser hellgrün schimmert. Zurück auf den Rädern folgt nun die anstrengendste Strecke: Rund drei Kilometer geht es stetig bergauf. Es ist warm, und Schatten suchen wir vergeblich. Wir überholen die deutsche Wandergruppe, die uns und unseren Rädern neidisch hinterherschaut – laufen hätte ich diese Strecke auch nicht wollen. Ein paarmal sehen wir rechts und links in den trockenen Büschen eine Riesenschildkröte sitzen. Obwohl sie so groß sind, sind sie in dem grauen Gestrüpp bestens getarnt.

Versteckt in den Mangroven: El Estero.

Die Tränenmauer

Den steilen Aufstieg zum Aussichtspunkt auf dem Hügel Cerro Orchilla spare ich mir wegen der Hitze. Ich bin froh, als wir am Ende des Weges ankommen und dort eine Bank im Schatten auf uns wartet. Nachdem ich mich erholt habe, laufen wir die letzten paar Meter zur Muro de las Lágrimas. Die „Tränenmauer“ haben von 1945 bis 1959 Gefangene einer Sträflingskolonie in Isolation bauen müssen, viele kamen dabei ums Leben. Einheimische behaupten, manchmal heute noch an der Mauer die Schreie der Gefangenen zu hören …

El Muro de Las Lagrimas.

Zurück auf den Rädern geht es nun erfreulicherweise immer bergab. Nach einem letzten Halt an meinem Lieblingsstrand La Playita sind wir nach rund 45 Minuten schon wieder zurück im Ort Villamil. Insgesamt haben wir für die Radtour mit allen Abstechern gut vier Stunden gebraucht.

Hafen und Concha de la Perla

Wir entschließen uns, die Mountainbikes auch für den Rest des Nachmittags zu behalten und radeln hinunter zum Hafen (zu Fuß dauert es auch nur 10 Minuten vom Zentrum aus). Hier beobachten wir über eine Stunde die Seelöwen, wie sie faul auf den Stufen liegen oder beim Spielen flink durchs Wasser flitzen. Sobald ein Fischschwarm auftaucht, konkurrieren die Robben mit den Blaufußtölpeln, die wie ein Pfeil ins Wasser schießen, um den besten Fang. Und dann glauben wir kaum unseren Augen: Zwischen all den Seelöwen im Wasser entdecken wir doch tatsächlich einen Pinguin, der rund um das Pier ebenfalls auf Tauchstation ist. Mein erster Pinguin in freier Wildbahn!

Kurze Pause vom Schwimmen.

Kurz vor dem Eingang zum Hafen zweigt links ein kleiner Holzweg ab, der zur Bucht Concha de la Perla führt. Obwohl der Weg nicht lang ist, brauchen wir eine Weile, weil wir im Zickzack um die Seelöwen herumlaufen müssen, die auf dem warmen Holz oder direkt neben dem Pfad unter den Mangroven dösen. Seelöwenbabys beschweren sich lautstark, wenn ihre Mütter sich bewegen und damit ihre Kleinen am Saugen hindern.

Am Ende des Weges befindet sich eine Holzplattform, von der aus man zum Schorcheln ins Wasser steigen kann. Auch hier räkeln sich auf und unter den Bänken die Seelöwen und lassen sich von den Besuchern nicht stören. Da es an der Bucht als Nicht-Schnorchler wenig zu sehen gibt, kehren wir bald wieder um und beobachten lieber noch ein paar Seelöwen am Holzweg.

Nickerchen auf dem Weg zur Concha de la Perla.

Kayaken und Schnorcheln bei Las Tintoreras

Für den nächsten Tag buchen wir eine organisierte Tour. Im Dorf steigen wir bei unserem Veranstalter in einen langärmligen und -beinigen Trockenanzug und laufen damit zum Strand neben dem Hafen. Hier warten bereits die Kayaks auf uns. Unsere kleine Gruppe folgt dem Guide aufs Wasser, und wir paddeln zu der vorgelagerten Felseninsel Las Tintoreras. Die meisten Besucher fahren mit einem Boot hierhin und erkunden die Felsen zu Fuß. Wir haben uns für die Wasserseite entschieden und entdecken von unten drei Pinguine, die am Felsen hocken, sowie diverse Blaufußtölpel.

Der Galapagos-Pinguin ist vom Aussterben bedroht.

In einer ruhigen Bucht springen wir über Bord und schnorcheln mit unserem Führer die Felsen entlang. Hier grasen zu dieser Tageszeit Meeresschildkröten. Direkt über den bis zu eineinhalb Meter großen Schildkröten dahinzugleiten und ihnen beim Fressen zuzusehen, ist ein tolles Gefühl. Manche von ihnen sind neugierig und kommen nah an uns herangeschwommen – wow! Die schönen bunten Fische, die wir ebenfalls beim Schnorcheln sehen, werden bei solchen Erlebnissen glatt zu Nebendarstellern.

Nach rund zwei Stunden paddeln wir zurück. Da wir ohnehin die Trockenanzüge anhaben, machen wir vor der Rückkehr in den Ort noch einen Abstecher zur Concha de la Perla, um dort eine Runde zu schnorcheln. Wir haben hier aber nicht soviel Glück mit den Sichtungen. Andere berichteten von Begegnungen mit Meeresschildkröten, Rochen und Seelöwen.

Die geschützte Bucht Concha de la Perla.

Schnorcheln in Los Tuneles

Ein weiterer organisierter Tagesausflug führt uns am Tag darauf zu den Tuneles. Mit einem Boot fahren wir zunächst erneut an Las Tintoreras vorbei, wo heute aber kaum Tiere zu sehen sind. Auf hoher See passieren wir einen steilen Felsen. Auf ihm brüten Nazcatölpel, neben den Blaufußtölpeln die zweite Tölpelart, die wir auf den Inseln sehen (die dritte Art, die Rotfußtölpel, bekommen wir auf unserer Galapagos-Reise leider nicht zu Gesicht).

Nazcatölpel brüten auf einem Felsen. (Foto: Jochen Hafner)

Nach rund 45 Minuten erreichen wir Los Tuneles. Wir ankern vor den Lavatunneln und machen uns zum Schnorcheln bereit. Leider befinden sich an diesem Sonntag mehr Boote als erlaubt in Los Tuneles. Unser Guide erklärt uns, dass am Sonntag keine Patrouille unterwegs ist, um die streng limitierte Zahl an Booten zu kontrollieren. Das nutzen die Anbieter aus, um zusätzlich Geschäft zu machen. Unser Tauchguide versucht, uns etwas abseits der anderen Schnorchelgruppen durchs Wasser zu führen.

Haie

Wieder sehen wir eine Reihe von Meeresschildkröten und sind schon ganz begeistert. Aber es sollte noch besser kommen: Plötzlich taucht unter uns ein kleiner Schwarm Goldrochen auf, den wir eine Weile von der Wasseroberfläche aus begleiten. Nah an einem Felsen winkt uns unser Tauchguide zu sich und fordert uns auf, ein Stück hinunterzutauchen: Unter einem Felsüberhang schlafen ein paar Weißspitzenriffhaie. Auf einmal setzen sich die rund eineinhalb Meter langen Tiere in Bewegung und gleiten ganz nah an uns vorbei. Vor lauter Faszination halte ich in meinem Schnorchel den Atem an. So nah war ich großen Haien beim Schnorcheln noch nie gekommen!

Blaufußtölpel

Nach der Mittagspause auf dem Boot geht es auf Landgang. Wir spazieren ein paar Meter auf den faszinierenden Lavatunneln entlang. Eine Schildkröte schwimmt durch das glasklare Wasser, aber meine Aufmerksamkeit hat ein ganz anderes Tier gefangen genommen: Am Rande eines Felsens wirbt ein männlicher Blaufußtölpel gerade um ein Weibchen. Er tanzt dabei von einem Bein aufs andere, sträubt sein Gefieder und legt der Angebeteten ein paar Stöckchen hin. Doch sie ist nicht sehr angetan und wendet sich lieber seinem Nebenbuhler zu, der ebenfalls tanzend sein Glück versucht. Stundenlang hätte ich den Vögeln bei ihrem Tanz zusehen können! Leider mahnt unser Guide schon zum Aufbruch.

Hier geht’s zum Video der tanzenden Blaufußtölpel (auf Bild klicken).

Teufelsrochen

Auf dem Rückweg nach Villamil stoppt unser Bootsführer plötzlich und zeigt aufgeregt aufs Wasser: Vor und neben uns tummeln sich mehrere Teufelsrochen. Die Riesenmantas gehören mit einer Spannweite bis zu sieben Metern und einem Maximalgewicht von 1300 Kilo zu den größten Rochen der Welt. Immer wieder tauchen sie ein Stück aus dem Wasser auf und präsentieren uns ihre weiße Vorderseite. Vor lauter Begeisterung lasse ich sogar die Kamera liegen und genieße nur den Augenblick.

Weitere Ausflüge auf Isabela

Bei gutem und vor allem klaren Wetter lohnt sich sicherlich eine Wandertour zum Vulka Sierra Negra. Aber in der kälteren Jahreszeit von Juni bis Dezember sind die Hochlagen meist nebelverhangen, so dass man von den schönen Ausblicken nichts hat. Alle anderen interessanten Ziele auf Isabela erreichst du nur mit einem Kreuzfahrtschiff.

Wie viele Tage solltest du für Isabela einplanen?

Wir haben vier Nächte auf Isabela verbracht. Im Vergleich zu Santa Cruz und San Cristóbal ist Isabela die entspannteste Insel, finde ich. Wäre es etwas wärmer gewesen, hätten wir gut noch einen weiteren Tag einfach am Strand abhängen können. Auch eine Fahrt ins Hochland wäre mit einem weiteren Tag möglich gewesen, wenn das Wetter mitgespielt hätte. Zu dieser Jahreszeit (Anfang August) waren die vier Nächte für uns allerdings perfekt. Hier findest du ein paar Tipps, wie du günstig auf den Galapagos, vor allem auch auf Isabela, unterwegs sein kannst.

Hast du Fragen zu Isabela? Dann rein damit in die Kommentare! Zu Santa Cruz gibt es bereits einen eigenen Beitrag,  San Cristóbal folgt in Kürze.

 

 

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