Laguna Quilotoa: Wanderung mit Heiratsantrag

Wir steigen aus dem Taxi aus und laufen zum Kraterrand. An der hölzernen Aussichtsplattform stockt uns der Atem – nicht wegen der knapp 4000 Meter Höhe, auf der wir uns befinden. In den vergangenen Tagen in den ecuadorianischen Anden haben wir uns schon an die Höhe gewöhnt. Nein, uns bleibt die Luft weg, weil die Laguna Quilotoa, die unten im Krater mal grün, mal blau, mal grau schimmert, so wunderschön ist.

Immer wieder neue Aussichten auf die Laguna Quilotoa.

Quilotoa-Loop oder Tageswanderung?

Viele Besucher der Laguna Quilotoa kommen erst am Ende einer langen und beschwerlichen Wanderung zum Kratersee. Sie haben dann schon drei oder vier Tage auf dem Quilotoa Loop hinter sich. Der Loop ist eine beliebte Wanderstrecke – ein Kreis ist es in Wahrheit aber gar nicht. Die meisten starten in Sigchos, laufen über Isinliví und Chugchilán und gelangen am Schluss nach Quilotoa. Wenn man die Anfahrt und die Rückfahrt nach Latacunga mit Bus oder Taxi mit einrechnet, ist der Kreis natürlich wieder perfekt.

Die kleine Kirche steht im Dorf Chugchilán.

Wir haben keine Lust auf eine mehrtägige Wanderung und quartieren uns stattdessen drei Nächte in Chugchilán ein, um von dort aus Tageswanderungen zu machen. An einem Tag lassen wir uns vom Bruder unseres Herbergsvaters mit dem Auto nach Quilotoa bringen und wandern von dort aus nach Chugchilán zurück. Im Nachhinein bin ich sehr froh über diese Entscheidung, denn statt stundenlang bergauf zu laufen, wie alle anderen, die uns entgegenkommen, gehen wir die meiste Zeit bergab. Wobei der Weg trotzdem alles andere als leicht ist – aber dazu später mehr.

Bestens ausgeschildert. (Foto: Jochen Hafner)

Überraschung an der Laguna Quilotoa

Zunächst einmal stehen wir also am Kraterrand und können uns nicht vom Anblick der Laguna Quilotoa losreißen. Sie hat einen Durchmesser von drei Kilometern, vierhundert Meter ragen die Kraterwände vom Ufer auf, der See soll 250 Meter tief sein. Rund fünf Stunden braucht man, um den Krater einmal zu umrunden. Als wir da sind, jagt der Wind Wolken über den Himmel, die die Farbe des Sees immer wieder verändern. Am Ende des Wanderweges, der in den Krater hineinführt, stehen die Kanus, die man unten ausleihen kann, heute still.

400 Meter tief im Krater kannst du Kanus ausleihen.

Eigentlich will ich gerade vorschlagen, dass wir jetzt mal langsam mit unserer Wanderung beginnen. Doch da dreht sich mein Lieblings-Reisepartner zu mir um und bereitet mir die schönste Überraschung, die ich mir vorstellen kann: Er fragt mich, ob ich ihn heiraten will. Natürlich will ich! Jochen hätte dazu keinen passenderen Augenblick wählen können, denn hier stimmt einfach alles: Wir sind, wie schon so oft in unseren gemeinsamen 15 Jahren, mal wieder zusammen an einem wunderschönen Ort auf dieser Welt. Und das auch noch allein, denn weit und breit ist kein anderer Besucher in der Nähe der Aussichtsplattform. Die paar Ladenbesitzer in Sichtweite wundern sich wahrscheinlich nur, warum sich dort oben zwei Menschen so glücklich in die Arme fallen :-)

Ich habe „Ja“ gesagt!

Wanderung nach Chucchilán

Nachdem wir uns beide wieder gefangen haben, starten wir schließlich doch noch unsere Wanderung. Zunächst geht es links herum auf der Kante des Kraters entlang. Der Weg ist mal breiter, mal sehr eng. Es ist an diesem Tag im August extrem windig, sodass wir uns an besonders gefährlichen Stellen einhaken, um nicht die Felsen hinuntergeweht zu werden. Die Ausblicke hinab zur Laguna Quilotoa ändern sich minütlich, immer wieder verändert sich die Perspektive. Vor lauter Staunen und Fotografieren brauchen wir zwei Stunden, um rund ein Drittel des Sees zu umrunden. An einem einfachen Haus biegt der Weg landeinwärts, und wir verlassen den Kraterrand.

Ein letzter Blick auf die Laguna Quilotoa.

Auf einem breiten Fahrweg gehen wir eine gute Stunde steil bergab. Hier kommen uns, ziemlich außer Atem, die Wanderer von Chugchilán entgegen. Sie sind hocherfreut über die Nachricht, dass es zum Kraterrand nicht mehr weit ist. An einem Abzweig finden wir, wie von unserem Taxifahrer heute Morgen angekündigt, den Wegweiser nach rechts zur „abenteuerlichen“, aber gefährlichen Strecke. Wir halten uns geradeaus in Richtung Hostal Cloud Forest. Dessen Besitzer hat auf der gesamten Strecke ab Quilotoa Wegweiser zu seiner Unterkunft in Chugchilán aufgestellt und rot-gelbe Markierungen angebracht, sodass wir uns gar nicht verlaufen können.

Lupinenfelder begleiten uns auf unserer Wanderung.

Achtung, gefährliche Hunde!

Nach mehreren kleinen Häuseransammlungen und einem etwas größeren Dorf mit Kirche, Sportplatz und Schule geht es steil den Berg hinunter in ein Flusstal, aus dem wir auf der anderen Seite wieder steil bergauf hinausklettern müssen. Nach einer Weile erreichen wir das Dorf Moya, wo wir kurz unsicher sind, wo es weitergehen soll: Die rot-gelbe Markierung zeigt über einen Hof, auf dem jedoch drei wütende Hunde laut bellend auf uns lospreschen. Wir versuchen mal wieder den Trick, so zu tun, als würden wir sie mit Steinen bewerfen, aber dieses Mal funktioniert das Manöver nicht. Wir treten den Rückzug an. Erst als ein paar Kinder auf dem Hof erscheinen und uns über ihr Grundstück führen, lassen uns die Hunde in Ruhe. Puh, Glück gehabt!

Meerschweinchen-An- und -verkauf in Moya – eine Delikatesse in Ecuador.

Hinter Moya geht es steil einen engen und sandig-rutschigen Weg bergab, bevor wir uns dann auf der Schotterstraße noch mal zwei Stunden langsam, aber stetig bergauf mühen müssen. Nach insgesamt sechs Stunden kommen wir ziemllich fertig in unserem Hostel in Chugchilán an. Aber wer morgens einen Heiratsantrag bekommen hat, lässt sich die gute Laune auch von einer beschwerlichen Wanderung nicht verderben!

Fünf Wochen später haben wir übrigens schon geheiratet, sodass aus meinem Lieblings-Reisepartner nun mein Reise-Ehemann geworden ist :-)

Seid Ihr auch als Ehepaar oder Verlobte unterwegs? Wo hat dein/deine Partner/in dir den Heiratsantrage gemacht? Verrate es mir in den Kommentar – ich bin neugierig!

(Dies ist ein Beitrag zur #ousuca Blogparade 2018: Dein coolstes Outdoor-Erlebnis.)

 

 

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15 Kommentare

  • Hey Sabine!
    Herzlichen Glückwunsch und alles Gute! Ein Antrag in schöner Kulisse ist klasse :)
    Hoffe ihr habt noch viele weitere Abenteuer im Ausland.
    Ich… ermm, muss mir da noch was einfallen lassen – habe das Gefühl, meine Freundin wartet irgendwie schon drauf (alle unsere Freunde heiraten und bekommen Kinder zur Zeit)

    Ps: In Quilotoa sind wir eher nur ein kleines Stück am Rand spazieren gegangen und dann hinabgestiegen um Kayak zu fahren – wir hatten an den Tagen vorher schon 2 Tage Wanderung durch den Dschungel von Tena – das hat uns gelangt ;)

  • Herzliche Glückwünsche. Das ist mal ein toller Antrag! Mein Mann und ich waren auch schon 15 Jahre zusammen, als wir dann in Las Vegas geheiratet haben. Ich wollte immer nicht heiraten und wenn dann in einem verrückten Ort.

    Alles Gute Euch beiden.

    Renate

  • Frei nach dem Motto „Selbst ist die Frau“ habe den Heiratsantrag ich gemacht – bei Sonnenuntergang an einem Strand in Portugal. Verheiratet sind wir nun seit zehn Jahren :-)
    Ich wünsche dir und euch alles Gute als Ehepaar und Reisepartner.

  • Herzlichen Glückwunsch! Das sind ja wunderbare Neuigkeiten und dann noch an so einem magischen Ort.
    Und dann so schnell geheiratet. Wow. Kein Jahr planen, Listen schreiben… Einfach machen. Super.
    Sicher war das Fest genau so, wie ihr es euch erträumt habt.

    Liebe Festtagsgrüße

    Liane

  • Liebe Sabine!
    Ach wie schön! Ich freue mich so sehr für euch beide!
    Jörg hat mir letztes Weihnachten in Mexiko einen Antrag gemacht (eigentlich sogar zwei, einmal im Zimmer und einmal beim Tauchen). Geheiratet wird aber in Österreich!
    Alles Liebe euch beiden und all das Glück der Welt!
    Viki

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