Schöne Fotospots – und ihr wahres Gesicht

Scrollt man durch Instagram, Facebook oder Pinterest, finden sich dort unzählige Traummotive aus aller Welt: makellose Strände, menschenleere Sehenswürdigkeiten, unberührte Berglandschaften. „Boah, da will ich auch hin!“, ist oft die erste Reaktion beim Anschauen. Doch wenn du dann tatsächlich dort bist, sieht es oft irgendwie ganz anders aus …

Biggi und Flo vom Reiseblog Phototravellers sind in ihrer Blogparade auf Suche nach den schönsten Fotospots der Welt – und der Wahrheit dahinter. Denn mal ganz ehrlich: Oft siehst du auf den Fotos im Internet mehr Schein als Sein. Dies ist meine Auswahl an tollen Fotolocations – und ein Blick hinter die Kulissen:

Bolivien – traumhaft blauer Himmel

Eines meiner Lieblingsmotive all meiner Reisen stammt aus dem Hochland in Bolivien: die Laguna Verde, der grüne See, der nur zur Mittagszeit solch eine magische Farbe hat. Als wir auf unserer Fahrt von Tupiza zum Salar de Uyuni dort Halt machten, hatten wir Glück mit dem Wetter: Strahlender Sonnenschein und ein tiefbaluer Himmel machten das Bild perfekt. Stundenlang hätten wir dort einfach stehen und staunen können …

… wenn wir nicht fast festgefroren wären. In Wirklichkeit herrschten Minusgrade und es pfiff ein eiskalter Wind. Wir waren froh, dass wir nach wenigen Minuten am See und ein paar Bildern von uns und der Laguna Verde wieder zurück ins warme Auto durften. Fotos von mir im dünnen Sommerkleid? Keine Chance! Selten habe ich so gefroren wie an diesem Ort.

Malaysia – Orang-Utans in freier Wildbahn

Auf Borneo in Malaysia sowie in Indonesien leben die letzten Orang-Utans der Welt. Sie sind fast ausgestorben, weil ihr Lebensraum, der Urwald, in weiten Teilen abgeholzt wurde. Daher ist es ein großes Privileg, überhaupt noch einen Orang-Utan sehen zu können. Wir hatten das Glück nahe Kuching in Borneo, im Bundesstaat Sarawak, einem Orang-Utan zu begegnen …

… allerdings nicht in freier Wildbahn. Im Semenggoh Nature Reserve leben rund zwei Dutzend halbwilde Orang-Utans. Sie wurden aus Gefangenschaft befreit oder vor den Sägen der Holzfäller gerettet und sollen wieder fürs Leben in der Wildnis fit gemacht werden. Zweimal täglich finden in der Auffang- und Aufzuchtstation Fütterungen statt, zu denen meist viele Dutzend Besucher kommen. Der Bitte des Guides, absolute Ruhe zu bewahren, um die Tiere nicht zu verängstigen, kommen die wenigsten nach. Kinder schreien, Erwachsene lachen laut, werfen sich über die Menge hinweg Bemerkungen zu. Ich kann verstehen, dass viele die letzten Orang-Utans sehen wollen – mir persönlich hat das respektlose Verhalten jedoch ein wenig die einzigartige Begegnung mit diesen seltenen und faszinierenden Tieren verleidet.

Island – Wasserfall in der weiten Natur

Schon aus der Ferne hört man ihn rauschen: Der Gulfoss gehört zu den größten und beeindruckendsten Wasserfällen in Island. Mehr als 100 Kubikmeter Wasser pro Sekunde stürzen hier in die Tiefe. Inmitten der Natur fühlt man sich als Besucher angesichts der Macht der Natur hier ganz klein und allein …

… solange man sich nicht umdreht und schaut, wer dem Gulfoss noch alles einen Besuch abstatten will. Je nach Jahreszeit halten an dieser Sehenswürdigkeit am Golden Circle, der gut als Tagestour von Reykjavík  aus zu erreichen ist, mehrere Dutzend Reisebusse und entladen ihre Gäste. Wir hatten Glück: Diese Massen an Menschen kamen erst an, als wir schon genug vom Gulfoss gesehen hatten. Zwar dauerte es eine Weile, bis wir zu unserem Auto zurückkehren konnten, aber wir haben uns ja zum Glück Zeit genommen für den Golden Circle und hatten daher keine Eile.

Norwegen – wunderschöne Fjorde

Der Geirangerfjord gehört zu den schönsten Fjorden in Norwegen. An seiner schmalsten Stelle ist er gerade einmal 600 Meter breit, rechts und links steigen steil die Berge aus dem Wasser auf. Das kleine Örtchen Geiranger mit seinen 250 Einwohnern liegt am Ende des Fjordes. Gegenüber der Ortschaft, zwei Kilometer auf einer schmalen Straße entlang, gibt es diesen idyllischen Campingplatz, auf dem wir uns eine Hütte mit Fjordblick gemietet hatten …

… bis eines Morgens ein Kreuzfahrtschiff fast über unsere Terrasse fuhr. Es war das erste von dreien an diesem Tag, das den engen Fjord mit seinen Diesel-Abgasen verpestete. Jedes Jahr kommen 200 Kreuzfahrtschiffe mit jeweils mehreren Tausend Gästen nach Geiranger, die das Dorf regelrecht überfluten.

Den ganzen Tag lang werden sie in kleinen Gruppen von lautstarken Motorbooten vom Schiff an Land und wieder zurück gebracht. Neben den Bootsmotoren durchschneiden die Generatoren der Schiffe die Stille des Fjordes, ganz zu schweigen von der abendlichen Partymusik, die vom einen oder anderen Schiff aufs Land hinüberweht. Ein Beispiel aus der Statistik der Kreuzfahrtschiffe im Geirangerfjord: Am 23. Mai 2018 ankerten hier „nur“ zwei Schiffe. Das eine hatte 3008 Gäste an Bord, das zweite 4376.

Borneo – idyllische Insel

Weißer Sand, blaues Meer, Kokospalmen und ein Steg zum Sonnenbaden. Was braucht es mehr zum Inselglück? Genau solche Strände suchen wir alle im Urlaub, oder etwa nicht? Eine Idylle wie auf einer Fototapete, wie zum Träumen gemacht. Wir haben eine solche Insel gefunden: Im Norden von Borneo liegt Mantanani, drei Kilometer lang und anderthalb Kilometer breit. Perfekt zum Nichtstun – außer vielleicht am Strand einen Spazierganz zu machen …

… auf dem man die Schattenseiten der Insel entdeckt. Mantanani hat – wie viele Inseln in Südostasien – ein riesiges Müllproblem. Plastikmüll wird angeschwemmt oder von Besuchern auf die Insel gebracht und nicht wieder zurück aufs Festland genommen. Eine Müllentsorgung gibt es nicht. Angesichts solcher Plastikberge muss man sich auch als Besucher aus Europa fragen: Woher kommen eigentlich diese ganzen Flaschen aus dem Meer? Sind wir nicht auch zum großen Teil Schuld daran, dass Strände in Südostasien im Plastikmeer versinken?

Wales – Felsen auf hoher See

Wie gemalt ragen diese beiden Felsen aus dem Wasser. Fast kann man sich einbilden, Möwen und andere Seevögel um die kargen Inseln kreisen zu sehen. Ob je ein Mensch diese schroffen Erhebungen im Meer je betreten hat? Wir haben es beinahe getan …

… wenn wir nicht aufgepasst hätten. Denn fast wären wir über diese Steine im Wasser gestolpert. Die vermeintlichen Felsen sehen nämlich nur durch den Kamerasucher so riesig aus. In Wahrheit sind es eine Reihe von muschelbewachsenen Steinen, die bei Ebbe am Strand von Pembrey Beach im Süden von Wales aus den Pfützen ragen. Ja, manchmal ist die Wahrheit ganz simpel :-)

Kennst du noch weitere schöne Fotospots, die sich beim näheren Hinschauen als gar nicht mehr so beeindruckend entpuppen? Dann ab damit in die Kommentare! Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen mit Wahrheit und Schein …

 

 

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16 Kommentare

  • Oh je. Das mit den Orang-Utans ist echt nicht schön (und das mit dem Müll natürlich auch nicht und den schmutzigen Kreuzfahrtschiffen!). Ich denke, dass diese Art des Wildlife Watchings so beliebt ist und viele Menschen anzieht, weil man nicht so viel Geduld mitbringen muss. Einerseits finde ich es gut, dass Menschen kommen und Geld für die Aufzuchtstationen dalassen (wenn sie wirklich den Tieren helfen), andererseits mag selbst ich Orte nicht wo es für mich zu laut ist. Wie mag es dann nur für Orang-Utans sein…

  • Hehe … mit den Felsen auf hoher See. Da habe ich echt gewartet, was da nun kommt :-) Ansonsten ein überaus toller Bericht, der auch die unschönen Dinge aufzeigt und nicht nur die Menschenmassen!

    Beste Grüsse Torsten

  • Also das Felsen Foto in Wales find ich am besten :D eine kreative Zusammenstellung für die Blogparade!
    Das mit dem Kreuzfahrtschiff und den Orang-Utans ist leider eher unschön. Aber danke fürs Aufzeigen!

    Herzliche Grüße aus Oldenburg.
    Michelle | The Road Most Traveled

  • Witzige Wales-Veräppelung :)

    Das mit der Vermüllung ist wirklich tragisch. Eine Mahnung, selbst ein guter Tourist zu sein und sich vorbildlich zu verhalten. Danke dafür.

    • Danke für deinen Kommentar, Christian! Das Müllvermeiden fängt ja nicht erst im Urlaub an. Das, was da an den Stränden von Südostasien derzeit angespült ist, ist auch unser Müll aus den westlichen Ländern, der durch die Meeresströmungen auf die andere Seite der Erde gelangt ist :-(

  • Wunderbare Beispiele, gerade auch der Müllberg dokumentiert eindringlich mit welch völliger Sche*ßegal-Einstellung mancheiner im Urlaub unterwegs ist :-(
    Ich glaube, bei Island habt ihr echt Glück gehabt das Ihr schon so früh dort gewesen seid, wobei es auch 2014 tatsächlich noch gar nicht SO schlimm war. Aber dieser extreme Hype heutzutage ist echt nicht mehr schön. Toll eingefangen mit der Treppe jedenfalls *staun*

    • Ja, die Müllberge auf der kleinen Insel haben uns auch schockiert. Wir waren ein paar Jahre nicht in Südostasien, und ich hatte das Gefühl, es ist viel schlimmer geworden als beim letzten Mal :-(

  • Hallo Sabine,

    da hast du mit den Felsen ja eine weitere tolle Idee in die Runde geworfen! Also ich habs echt erst geglaubt :-)

    Ja, der Müll, das ist so eine andere Sache. Plastik ist das Problem. Klar, bei uns wir das Zeug in Hitech-Anlagen verbrannt oder wiederverwertet. In vielen anderen Ländern gibt es diese Infrastruktur nicht. Wir werden wohl eines Tages im Plastik ersticken.

    Viele Grüße
    Florian

  • Hallo Sabine,

    diese Müllberge sind einfach eine Schande – und dafür muss sich jeder von uns an die eigene Nase fassen. Und was die Kreuzfahrten angeht, je mehr ich darüber lese und lerne, desto mehr werde ich zum Gegner von Kreuzfahrten. Nicht wegen der Menschenmassen – aber die Luftverschmutzung durch die Schiffe ist eigentlich ein NoGo in einer Zeit, wo wir über Fahrverbote für Autos sprechen.

    Die walisischen Inseln sind aber ein Knaller. Nur das erste Foto und ich hätte gefragt, wo man die Rundflüge buchen kann. :-)

    LG Thomas

    • Ich schaue mal, was ich in Sachen Rundflüge in Wales für dich arrangieren kann, Thomas ;-) Und ja, du hast recht, Kreuzfahrtschiffe sind echt eine Plage. Abgesehen davon, dass ich solch eine Art zu reisen nicht mag, sind sie allein aus umwelttechnischen Gründen ein absolutes Desaster.

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