Salar de Uyuni: Besser von Tupiza aus

Wenn es ein Ziel gibt, das alle Bolivien-Reisenden ansteuern, dann ist es der Salar de Uyuni. Auch auf unserer Route durfte die größte Salzpfanne der Erde natürlich nicht fehlen. Allerdings haben wir sie auf einer weniger bereisten Tour angesteuert. Die allermeisten Reisenden fahren in den Ort Uyuni, der direkt neben dem Salar liegt, und buchen dort eine ein- oder mehrtägige Tour.

Wo gibt es gute Touranbieter?

Ursprünglich wollten wir unseren Ausflug zum Salzsee auch von Uyuni aus starten. Im Vorfeld hatte ich aber schon einige unschöne Geschichten von betrunkenen und verantwortungslosen Fahrern, von überfüllten Autos und Partygruppen gehört. Darauf hatte ich gar keine Lust! Durch Zufall las ich von der Möglichkeit, die Fahrt zum Salzsee in Tupiza zu buchen statt in Uyuni.

Tupiza liegt südlich des Salars und ist von Potosí mit dem Bus genauso gut zu erreichen wie Uyuni. Die Auswahl an Touranbietern ist in Tupiza bei weitem nicht so groß, so dass die Preise etwas höher sind als in Uyuni. Als wir dort waren, war es kein Problem, direkt für den nächsten Tag zwei Plätze für eine Tour zu bekommen. Ein Blick auf die Touristen, die in Tupiza unterwegs sind, bestätigte uns: Junge Party-People, die nur billige Touren suchen, gab es hier keine. Wir befinden uns also in guter Gesellschaft.

Bei unserem Fahrer Clemente habe ich von Anfang an ein gutes Gefühl: Er fährt sehr umsichtig und erzählt uns viel über die Sehenswürdigkeiten, die wir ansteuern – wenn auch nur auf Spanisch, aber das klappt mit Übersetzungen in alle Richtungen von Spanisch über Französisch und Englisch bis Deutsch ganz gut. Neben uns zweien sind noch drei französische Studentinnen im Jeep. In einem zweiten Wagen unseres Touranbieters La Torre sitzt unsere Köchin Modesta, die für alle zwölf Insassen der beiden Autos dreimal am Tag kocht.

Köchin Modesta sorgt gut für uns.

Tag 1: Von Tupiza nach Quetena Chico

Als unsere Rucksäcke sowie die Lebensmittel für vier Tage sicher auf dem Dach verstaut sind, geht es zunächst durch eine wahre Wild-West-Kulisse. Die Region rund um Tupiza ist aufgrund ihrer roten Felsen mit ihren vielen Kakteen auch für mehrtägige Ausritte sehr beliebt. Nach und nach wird die Landschaft dann immer spektakulärer: Die Bergrücken, die aussehen wie schlafende Drachen, ziehen sich bis zum Horizont. Zwischendrin grasen immer wieder riesige Herden von Lamas und Vicunjas, und wir entdecken Suris (eine Art Emu, ein großer Schreitvogel) und Viscachas (ein Nagetier, ähnlich einem Kaninchen).

Wild West rund um Tupiza.
Scheue Vikunjas.
Lustige Lamas in den Anden.

In San Antonio de Lípez machen wir Halt an einem Ruinendorf, das auch „Klein Machu Picchu“ genannt wird. Ein kundiger Guide erklärt uns, wie die Minenarbeiter in diesem Dorf unter unmenschlichen Bedingungen im Untergrund gearbeitet haben. Wir dürfen sogar einen Blick in eine der Minen werfen – es ist dunkel und schon nach ein paar Metern sehr beklemmend.

Mittlerweile befinden wir uns auf knapp 4700 Metern Höhe, und die Luft wird langsam dünner. Aber selbst der nächste Stopp auf 4855 Metern mit Blick auf den Vulkan Uturuncu ist kein Problem, da wir uns vorher in Sucre und Potosí offenbar gut an die Höhe in den Anden gewöhnt haben. Da hatten wir vorger ganz umsonst Bedenken gehabt.

Alte Minenstadt San Antonio de Lípez.
Blick auf den Vulkan Uturuncu.

Woran wir uns allerdings nicht gewöhnen können und was uns auch die erste Nacht endlos erscheinen lässt, ist die Kälte. Keiner hat ein Thermometer parat, aber wir schätzen, dass es höchstens minus 15 Grad hat, als wir in dem kleinen Dorf Quetena Chico ankommen und unser Haus beziehen. Dünne Wände, von Heizung keine Spur. Der Ofen im Essraum strahlt seine Wärme nicht bis in die Schlafräume. Da helfen auch der geliehene dicke Schlafsack, zwei Extradecken, drei Fleece-Pullover, lange Unterhose, Mütze, Schal und Handtasche nichts. Es ist einfach zu kalt zum Schlafen! Ich zittere mich bis zum Morgengrauen durch.

Tag 2: Durch den Nationalpark Eduardo Avaroa

Tag 2 ist für mich das Highlight unserer Tour: Wir fahren den ganzen Tag durch den Nationalpark Eduardo Avaroa. Ich habe noch nirgendwo auf der Welt eine solch wunderschöne Landschaft gesehen, die um jede Ecke wieder neue Überraschungen bereithält: zartbunte Berge wie auf Gemälden von Salvador Dalí, weiße, grüne und rote Seen mit und ohne Flamingos, Geysire und heiße Quellen, zugefrorene Flüsse und am Ende des Tages ein Sternenhimmel samt Milchstraße, wie ich ihn noch nie gesehen habe.

Die farbenprächtige Salvador-Dalí-Wüste.
Heiße Geisire am Wegesrand.
Blick auf die rote Laguna Colorada.
Flamingos in der Laguna Colorada
An Schönheit kaum zu überbieten: die Laguna Verde.

Tag 3: Vom Valle de Las Rocas bis zum Salar de Uyuni

Die Nacht ist nicht viel wärmer als die letzte, obwohl wir mit Villa Mar schon in ein tiefergelegeneres Dorf gefahren sind als ursprünglich beabsichtigt. Denn statt weitere Lagunas zu besuchen, hat Clemente sich eine alternative Route überlegt. Wir fahren am nächsten Morgen durch das Valle de Las Rocas, das Felsental. In den bizarren Felsformationen können wir herumklettern und die Ausblicke über das Tal genießen.

Skurrile Felsformationen im Valle de las Rocas.

Nächstes Highlight der Reise: der Laguna Negra, ein schwarzer See, der einen kurzen Fußmarsch von der Straße entfernt friedlich von Felsen eingeschlossen daliegt. Wir lauschen eine halbe Stunde ehrfürchtig der absoluten Stille am See, bevor wir an einer Lama-Herde vorbei wieder zum Auto zurückmarschieren.

In aller Stille: die Laguna Negra.

Zur Mittagszeit gibt es ein Picknick an einem kleinen Fluss, an dem weitere Lamas grasen. Unsere Köchin Modesta zaubert zahlreiche Köstlichkeiten aus dem Kofferraum unseres Wagens hervor. Nach einer längeren Fahrt gelangen wir abends zu unserem Salzhotel am Rand der Salzwüste, wo es das erste Mal seit drei Tagen eine Dusche gibt, und dazu noch eine warme – da warten wir doch gern mit unseren Nummernschildchen, bis wir an der Reihe sind! Betten, Stühle, Tische und Wände des Salzhotels sind tatsächlich aus Salz. Schilder warnen davor, Flüssigkeiten zu verschütten – sonst würde sich das Hotel bald aufgelöst haben.

Bloß kein Wasser verschütten im Salzhotel.

Tag 4: Auf dem Salar de Uyuni

Am nächsten Morgen heißt es – nach einer etwas wärmeren Nacht als zuvor – früh aufstehen, denn wir wollen zum Sonnenaufgang auf dem Salzsee sein. Eine halbe Stunde fahren wir im Stockfinstern über die Salzpfanne, Clemente hat sogar die Schweinwerfer ausgeschaltet. In der Nähe der Isla Incahuasi halten wir an und warten vor Kälte zitternd auf den Sonnenaufgang. Ich persönlich finde die Aussicht hinter uns fast noch spannender, weil sich dort die kühle Landschaft mit dem Aufgehen der Sonne ein rosa Kleid überstreift.

Sonnenaufgang im Salar de Uyuni.

Zum Frühstück geht es auf die Isla Incahuasi, wo schon Dutzende von Jeeps parken – die Uyuni-Tagesbesucher sind offenbar auch alle angekommen. Wir drehen eine Runde über die Insel mit ihren riesigen Kakteen, und nach dem Frühstück sucht Clemente für uns ein ruhiges Eckchen auf der Salzpfanne, wo wir unsere obligatorischen Spaß-Fotos schießen können. Durch die Weite der Landschaft entstehen hier erstaunliche Perspektiven. Wir hatten auf jeden Fall alle Spaß – inklusive unserem Fahrer, der sich als Fotograf betätigte und Regienanweisungen gab.

Auf der Insel Incahuasi.

Noch ein kurzer Zwischenstopp zum Mittagessen in Colchani, und dann hieß es Abschied nehmen von unserem Fahrer Clemente, unserer Köchin Modesta und unseren Reisebegleiterinnen aus Frankreich. Wir bleiben noch eine Nacht in Uyuni, bevor wir am nächsten Tag nach Rurrenabaque weiterfliegen.

Meine Tipps für einen Besuch des Salar de Uyuni

  • Die Entscheidung, von Tupiza statt von Uyuni aus zu starten, war goldrichtig, weil wir auf diese Weise auf einem Großteil der Fahrt den Massen aus dem Weg gehen konnten.
  • Bei der Buchung einer Tour solltest du in der Agentur fragen, ob es schon mal Beschwerden über den Fahrer oder das Fahrzeug gegeben hat. Uns legte man nach dieser Frage ein Gästebuch mit Kommentaren vorheriger Gäste vor, die durchweg gut (und vor allem: nicht gefälscht) klangen.
  • Du solltest auf jeden Fall darauf achten, dass höchstens fünf Leute plus Fahrer im Auto sitzen. Dann hat jeder einen Fensterplatz, und du kannst immer etwas sehen.
  • Für große Leute: Sieh zu, dass du einen Platz in der Mitte oder vorne auf dem Beifahrerseitz ergatterst! Die Sitze ganz hinten haben sehr wenig Fußraum.
  • Frag bei der Agentur nach, ob es in den Unterkünften Strom gibt, um die Kamera-Akkus nachzuladen. Oft gibt es keinen Strom oder nur für kurze Zeit. Zur Sicherheit einen extra Akku oder eine Powerbank einpacken.
  • Leih dir auf jeden Fall einen extra-warmen Schlafsack aus! Die Agenturen bieten gegen einen geringen Betrag dicke Schlafsäcke an, die viele Minusgrade aushalten.
  • Auch tagsüber ist es (zumindest in den europäischen Sommermonaten, wenn in Bolivien Winter herrscht) sehr kalt. Also Schal, Handschuhe, Mütze und eine warme Jacke einpacken, damit du bei den Fotostopps nicht frierst.
  • Fototipps: Wenn du die großartige Landschaft aus dem Auto heraus fotografieren willst, stelle deine Kamera auf eine schnelle Belichtungszeit ein (oder wahlweise Sport-Modus). Damit gibt es schärfere Bilder. Außerdem auf die Spiegelungen in der Autoscheibe achten!
  • Du erreichst auf der Tour durch die Anden teilweise Höhen über 5000 Meter. Daher ist es gut, wenn du dich vorher schon akklimatisierst hast. Mit Kopfschmerzen und Übelkeit wirst du die Tour nicht wirklich genießen können.
  • Ich muss zugeben: Ich fand den Salar de Uyuni weniger faszinierend als erwartet. Die unglaublich abwechslungsreichen Landschaften im Nationalpark Eduardo Avaroa mit ihren Bergen, Lagunen und Felsen haben mich weitaus mehr begeistert. Daher mein letzter Tipp: Wenn du schon in der Gegend bist, beschränke deinen Besuch nicht auf den Salar allein. Der Nationalpark Eduardo Avaroa ist mindestens genauso schön – wenn nicht sogar schöner.
Im Nationalpark Eduardo Avaroa.

Nun interessiert mich natürlich: Warst du auch schon mal am Salar de Uyuni? Steht dieses Ziel noch auf deiner To-go-Liste? Oder reicht es dir, schöne Bilder davon anzuschauen? 

 

 

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8 Kommentare

  • Wir waren in diesem Jahr im Rahmen unserer Weltreise auch in Bolivien – haben die Route aber von der anderen Seite gemacht.

    Es ist dort einfach so unglaublich unwirklich, das war ein echtes Highlight unserer Reise. Gerade für Leute die gern fotografieren ist es wirklich einmalig.

    Danke für die schöne Erinnerung.

    • Gern geschehen, Mathias! Habe mir gerade auch mal Eure Bilder vom Salar und den Lagunen angeschaut – auch sehr toll!

  • Das ist der perfekte Tipp auf den ich noch gewartet habe. Wir überlegen im nächsten Jahr dorthin zu fahren, aber bei den Berichten über die Touranbieter hatte ich immer nur Fragezeichen. In welchem Monat seid ihr denn gereist? Und sollte man im Vorfeld buchen?
    Viele Grüße
    Tabitha

    • Liebe Tabitha, es freut mich, dass ich dir weiterhelfen konnte! Wir waren im Juli dort. Vorzubuchen brauchst du nicht: Schau dir einfach vor Ort verschiedene Anbieter an und entscheide dann, welcher dir am sympathischsten ist. Ich hatte vorher auch Bedenken, weil ich so viel Negatives von den Anbietern aus Uyuni gehört hatte. Aber in Tupiza ist das alles etwas entspannter, und ich kann unseren Anbieter La Torre Tours voll empfehlen!

    • Das freut mich und war mein Ziel: Fernweh wecken :-) Viel Spaß beim Träumen- und hoffentlich auch bald Planen!

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