Auf den Spuren der Dinosaurier von Sucre

Hätte der Kalk in der Wand nicht zuviel Quarz enthalten, um daraus Zement zu machen, wären die Bagger des Steinbruchs bei Sucre in Bolivien noch heute am Werk – und die Sensation wäre nie entdeckt worden. So aber hatten die Geologen und Paläontologen Glück: Sie fanden bei der Zementfabrik in Cal Orcko über 5000 Abdrücke von Dinosauriern, in den letzten Monaten kamen noch einmal 5000 weitere hinzu. Auch für Laien ist die 110 Meter hohe und anderthalb Kilometer lange Wand ein spannendes Ausflusgziel: Mit dem bloßen Auge lassen sich zahlreiche Spuren der Urzeittiere entdecken. Ein Muss ist die Wanderung mit einem kundigen Führer bis an die Wand heran.

Fußabdrücke ohne Ende

Als der Taxifahrer rund 20 Minuten hinter Sucre in die Einfahrt einer Fabrik einbiegt, halte ich das erst für einen Scherz. Aber nur ein paar Minuten später zeigt mir der Kopf eines Tyrannosaurus Rex, dass wir hier tatsächlich richtig sind: Das ist der Eingang zum Parque Cretácico, der weltweit größten Fundstelle von Dinosaurierspuren. Es ist kurz vor zwölf Uhr, daher werden wir nach der Kasse direkt ans andere Ende des Parks geschickt, wo schon ein Führer auf uns wartet. Zweimal täglich, um 12 und um 13 Uhr, haben Besucher nämlich die Gelegenheit, die Dinosaurierwand nicht nur aus der Ferne zu betrachten, sondern bis zum Kalkfelsen hinzuwandern. 

Jeder von uns bekommt einen lustigen roten Helm und uns wird erklärt, warum die Fußspuren an einer Wand und nicht auf dem Boden zu finden sind: Durch die Verschiebung von Erdplatten hat sich der einstige Grund eines riesigen Sees senkrecht aufgestellt. Um dorthin zu gelangen, steigen wir Dutzende von steilen Treppenstufen hinab. Auf halber Höhe der erste Zwischenstopp: An einer Infotafel erklärt uns unser Dino-Experte, welche Exemplare vor 65 bis 68 Millionen Jahren an dem See gelebt haben. Vier verschiedene Fußspuren von insgesamt acht Spezies können wir hier entdecken – also nichts wie los zur Wand!

Lebensgroße Nachbildungen

Die großen runden Fußstapfen der Sauropoden sind leicht zu erkennen. Bei den vogelartigen Füßen der Theropoda und der Ornithopoda wird es schon schwieriger. Spannend ist es auf jeden Fall, die Wand nach Zeugnissen der Vergangenheit abzusuchen. Auf dem Rückweg, mit genügend Abstand zur Kalkwand, erkennen wir schließlich auch die Wege, die die Dinosaurier gegangen sind – und wo sie sich womöglich getroffen haben. Lange Ketten von Fußstapfen sind deutlich zu sehen.

Wie furchterregend die Tierchen ausgesehen haben, zeigt anschließend die Ausstellung von zwei Dutzend lebensgroßen Dinosaurierfiguren, die grimmig hinterm Baum hervorlugen, sich gegenseitig angreifen oder gefährlich knurren. Die Figuren erinnern zwar ein bisschen an Jurassic Park, aber die Vorstellung, solch einem Ungetüm im Wald zu begegnen, ist nicht gerade beruhigend. Gut, dass wir heute mit dem Taxi die Flucht ergreifen können …

Tipps für den Besuch des Parque Cretácico

  • Taxis fahren für 30 Bolivianos von Sucre aus zum Park. Am Ausgang stehen immer genügend Autos für die Rückfahrt bereit.
  • Sehr empfehlenswert: Eine der Touren zur Kalkwand mitmachen, die täglich um 12 und um 13 Uhr angeboten werden. Auf eigene Faust darf man nicht zur Wand hinabsteigen.
  • Umbedingt Turnschuhe oder andere feste Schuhe für die Tour anziehen – mit Sandalen wirst du nicht zu der Führung zugelassen.
  • Auf die Kamera achtgeben! Der sehr feine Staub im Steinbruch dringt in jede Ritze und gern auch ins Objektiv. Diesen wieder zu entfernen, ist kaum möglich.
  • Genügend Zeit mitbringen: Zwei bis drei Stunden brauchst du inklusive Führung auf jeden Fall für den Park.

Findest du Spuren von Dinosauriern auch so interessant wie ich? Und wo hast du vielleicht schon mal ihre Fußstapfen gesehen? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

 

 

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