Wanderung zum Spiegelsee in der Steiermark

See mit Bergmassiv im Hintergrund

Heute möchte ich dir eine weitere Lieblingswanderung aus unserem Österreich-Urlaub im Sommer vorstellen: eine Tour von der Reiteralm zum Spiegelsee und zurück über den Rippetegg. Kommst du mit?

Wie kommt man zur Reiteralm?

Der Spiegelsee liegt in der Steiermark in der Gemeinde Schladming. Du kannst zum einen mit der Gondelbahn Preunegg-Jet an der Preuneggstraße bis zur Reiteralm hinauffahren. An der Talstation gibt es einen großen Parkplatz. Busse der Ramsauer Verkehrsbetriebe fahren ebenfalls bis zur Talstation. Die Berg- und Talfahrt mit der Gondel kostet 20 Euro pro Person, 12 Euro für Kinder (Stand: 2021). Die aktuellen Preise und die Betriebszeiten der Bahn findest du auf der Website der Reiteralm.

See mit Schild "Stille Wasser"

Ein stiller Ort: der Moorsee.

Im Sommer ist auch die Auffahrt mit dem Auto über eine 12 Kilometer lange Mautstraße möglich. Diese beginnt direkt an der Talstation der Preunegg-Bahn. Die Fahrt auf der Reiteralmstraße kostet pro Person 6 Euro (Stand: 2021) und ist sehr abenteuerlich: Über eine steile, sehr kurvige Straße geht es Serpentine um Serpentine nach oben. Unser Auto, das sonst nur Flachland gewohnt ist, musste alles geben (und Fahrer Jochen auch …). Oben am Berg stehen genügend Parkplätze an der Reiteralmhütte und an der Gasselhöhe Hütte zur Verfügung.

Wanderung zum Spiegelsee und zur Gasselhöhe

Um zum berühmten Spiegelsee zu gelangen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Die schnellste und einfachste ist der direkte Weg:

  1. von der Bergstation beziehungsweise vom Parkplatz an der Gasselhöhe Hütte aus
  2. um den Speicherteich „Reiteralmsee“ herum
  3. immer dem Weg Nr. 66 Richtung Spiegelsee folgen.

Nach 45 Minuten auf einem breiten Wanderweg hast du den Spiegelsee erreicht. Diese kurze und schnelle Tour war uns aber zu langweilig – und zu voll.

Etappe 1: Untersee

Wir wandern stattdessen den Weg Nr. 66a zunächst zum Untersee. Dazu müssen wir vom Parkplatz aus ein paar Meter die Straße bis zur letzten Kehre zurücklaufen, in der der Wanderweg zum Untersee beginnt. Nach fünf Minuten erreichen wir bereits den Moorsee, den ersten der drei im Wald gelegenen Seen. Obwohl es bereits später Vormittag ist, sind wir fast allein unterwegs und können die Ruhe genießen. Auch am Waldsee treffen wir nur eine Familie.

See mit Holzpodest davor

Moorsee mit Ausblicksterrasse.

Etwas voller wird es dann schon am Untersee. Hier vergnügen sich jauchzend ein paar Leute mit dem Floß, auf dem sie sich mit Hilfe eines Seils auf die andere Uferseite ziehen. Ein Spaß, der offenbar vor allem bei Familien beliebt ist. Ein paar Bänke am Ufer laden zur Rast ein.

Etappe 2: Spiegelsee

Wir setzen unseren Weg fort und kommen nun ins Schwitzen: Auf einem extrem steilen und felsigen Pfad geht es auf dem kürzesten Weg 100 Höhenmeter nach oben. Immer wieder müssen wir warten, bis Wanderer, die nach unten wollen, uns passiert haben, bevor wir den Aufstieg fortsetzen können. Endlich haben wir den kurzen, aber heftigen Streckenabschnitt hinter uns und gelangen zum Hauptweg. Hier wird es nun merklich voller, denn das ist der breite und bequeme Wanderweg Nr. 66, der von der Reiteralm direkt zum Spiegelsee führt.

Nach rund 600 Metern haben wir das nächste Etappenziel auch bereits erreicht: den Spiegelsee.

Ziege am Spiegelsee mit Blick auf Dachstein-Südwand

Auch die Ziege genießt die Aussicht.

Was ist das Besondere am Spiegelsee?
Eigentlich heißt der kleine Bergsee Mittlerer Gasslsee. Fotobegeisterte Wanderer haben ihn jedoch „Spiegelsee“ getauft, weil sich in seinem Wasser die Dachstein-Südwände spiegeln. Zahlreiche Fotos im Internet zeigen das glatte Wasser mit den imposanten Felswänden als Spiegelbild. Fakt ist: Für solch eine Aufnahme muss es absolut windstill sein. Schon ein kleiner Windhauch kräuselt die Wasseroberfläche, und die Spiegelung des gegenüberliegenden Bergmassivs ist nur zu erahnen.

Auch an dem Tag, an dem wir zum Spiegelsee wandern, weht ein leichtes Lüftchen, das keine Spiegelung zulässt. Hinzu kommt: Es ist ein wunderschöner Sommertag, und rund um den See tummeln sich Dutzende von Menschen – auch an der Südseite, genau der Punkt, von dem man eigentlich das schönste Bild vom See und dem Dachstein im Hintergrund machen könnte. Ein Bild ohne Personen darauf zu bekommen, ist in der Hochsaison wahrscheinlich nur am sehr frühen Morgen oder am sehr späten Nachmittag möglich.

Viele Menschen am See

Allein am Berg? Mitnichten!

Wir nehmen es mit Humor und beobachten das Treiben vom nördlichen Ende des Sees aus. Als wir hier auf einem Stein hocken, kommen schon die Ziegen angelaufen und betteln um Futter. Sie sind die vielen Menschen am See gewohnt. Von uns bekommen sie nichts und wenden sich daher schnell den nächsten Besuchern zu.

Etappe 3: Rippetegg

Wir verlassen diesen trubeligen Ort und steigen den Weg weiter Richtung Obersee hinauf. Ein kleinerer und ein größerer See liegen hier idyllisch unterhalb des Schobers. Wir betrachten den 2133 Meter hohen Berg nur von unten und sparen uns den 400 Meter hohen und 200 Meter langen – sprich: sehr steilen – Auf- und Abstieg. Viele andere scheuen den Weg zum Gipfelkreuz jedoch nicht. Trotzdem ist es hier schon um einiges leerer als unten am Spiegelsee.

Kleiner Bergsee mit Fernsicht

Der Obersee am Fuße des Schobers.

Nach einer Pause geht es für uns weiter, noch einmal gut 100 Höhenmeter hinauf, zum Fuße des Rippetegg. Bis zu seinem Gipfelkreuz sind es noch einmal 230 Meter weit und 50 Meter hoch. Uns reicht aber schon die Aussicht vom Fuße des Berges: Zu allen Seiten hin haben wir einen phantastischen Blick über die umliegenden Alpen. Das Wetter ist an dem Tag relativ klar und beschert uns wunderschöne 360-Grad-Fernblicke. Die Dachstein-Südwände sind zum Greifen nah, und in der gegenüberliegenden Richtung können wir die schneebedeckten Gipfel der Ankogelgruppe ausfindig machen – 40 Kilometer Luftline entfernt.

Blick über Bergkette

Blick ins Tauerngebirge. (Foto: Jochen Hafner)

Etappe 4: Gasselhöhe

Beseelt von so viel schöner Aussicht folgen wir dem Höhen-Rundweg Richtung Reiteralm. Rund 1,5 Kilometer weit geht es ohne irgendwelche Steigungen bis zum Kreuz an der Gasselhöhe. Wir bleiben immer wieder stehen und genießen die Fernblicke. Mittlerweile ist es wieder so ruhig wie am Anfang unserer Wanderung: Wir begegnen nur wenigen anderen, die ebenfalls die große Runde zurück zur Reiteralm gewählt haben.

Bergweg mit Aussicht auf Felswände

Die Dachstein-Südwände auf dem Weg zur Gasselhöhe.

Am Kreuz werfen wir einen letzten Blick auf die Tauernberge, bevor wir den Abstieg beginnen. Es geht nun nochmal 300, teils für die Knie unangenehme Höhenmeter hinunter bis zum Parkplatz. Die Terrassen mit den Tischen der Gasselhöhe Hütte und der Reiteralmhütte sind uns – aus Corona-Gründen – zu voll, daher machen wir uns ohne Stärkung auf den Heimweg.

Gipfelkreuz Gaseelhöhe

Am letzten Gipfelkreuz – jetzt geht es bergab.

Lohnt sich die Wanderung zum Spiegelsee?

Es lässt sich nicht leugnen: Die Wanderung zum Spiegelsee ist sicherlich kein Geheimtipp. Zu viele Menschen locken die tollen Bilder von der Spiegelung der Dachstein-Südwand hinauf zur Reiteralm. Das war uns vorher bewusst, wir hatten also nicht damit gerechnet, dass wir den See und die Gegend für uns allein haben würden.

Trotz der belebten Wanderwege hat uns die Tour zum Spiegelsee sehr gut gefallen. Wir haben versucht, die Menschenmassen auszublenden und uns auf die Natur rundherum zu konzentrieren. Und die ist wirklich phantastisch! Bei schönem Wetter hast du tolle Ausblicke in alle Richtungen. Wir waren zur Zeit der Almrauschblüte dort, an allen Ecken fanden wir bunte Blumen und Blüten.

Die Wanderung war für mich teilweise ein bisschen anstrengend. Vor allem vom Untersee und vom Obersee zur nächsten Ebene hinauf habe ich meine Knie schon gemerkt. Aber mit ein klein wenig Kondition ist die Runde gut zu machen. Von mir also: Eindeutige Empfehlung! Falls du die Möglichkeit hast, geh am besten außerhalb der Sommerferien hinauf. Dann ist es sicherlich ein wenig ruhiger dort oben. Und wenn du am Spiegelsee angekommen bist, grüß mir die Ziegen! :-)

Ziege schnuppert am Fotografen

Neugierig sind sie …

Veröffentlicht am: 4. Dezember 2021

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6 Kommentare

  1. Christian Ö. 7. Dezember 2021 um 9:23 - Antworten

    Liebe Sabine,

    dein Artikel könnte von mir sein, du sprichst mir in allen Punkten aus der Seele! :D Ich war 2015 dort ohne Begleitung wandern, aber wie du schreibst, nicht alleine. Es ist schon eine wunderschöne Landschaft, wenn man die anderen Menschen ausblendet. Die neugierigen Ziegen fand ich ebenfalls total spannend. Und auch mir erging es wie dir: leichter Wind, keine Spiegelung. Trotzdem genial dort. :)

    Alles Liebe,
    Christian

    • Sabine 7. Dezember 2021 um 9:48

      Ja, da waren wirklich schon viele Leute, die ich kenne ;-) Naja, kein Wunder bei der schönen Landschaft.

  2. travellingcarola 6. Dezember 2021 um 16:22 - Antworten

    Liebe Sabine

    Ich könnte dir ein Bild vom Wildsee im Pizol zeigen, dagegen wirkt der Spiegelsee richtig verlassen … Deine Bilder mit der Aussicht auf die Dachstein Südwand und ins Tauerngebirge sind grandios. Ich kenne das Gebiet leider nur im Winter vom Skifahren. Danke für die Inspiration, mal in der alten Heimat eine Wanderung zu unternehmen.

    Herzliche Grüße
    Carola

    • Sabine 6. Dezember 2021 um 16:33

      Ja, so ist das wohl leider mit immer mehr schönen Plätzen auf dieser Welt … :-(

  3. Gabriele Tröger 6. Dezember 2021 um 14:55 - Antworten

    Hallo Sabine, da sieht’s ja schön aus! Barbara macht einen ja schon immer total den Mund wässrig mit ihren Steiermark-Artikeln und jetzt kommst du auch noch ;-) Irgendwann schaffen’s wir hoffentlich auch mal wieder nach Österreich. Viele Grüße!

    • Sabine 6. Dezember 2021 um 14:59

      Ja, Österreich ist in der Tat eine (oder auch mehrere) Reisen wert :-)

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Veröffentlicht am: 4. Dezember 2021

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6 Kommentare

  1. Christian Ö. 7. Dezember 2021 um 9:23 - Antworten

    Liebe Sabine,

    dein Artikel könnte von mir sein, du sprichst mir in allen Punkten aus der Seele! :D Ich war 2015 dort ohne Begleitung wandern, aber wie du schreibst, nicht alleine. Es ist schon eine wunderschöne Landschaft, wenn man die anderen Menschen ausblendet. Die neugierigen Ziegen fand ich ebenfalls total spannend. Und auch mir erging es wie dir: leichter Wind, keine Spiegelung. Trotzdem genial dort. :)

    Alles Liebe,
    Christian

    • Sabine 7. Dezember 2021 um 9:48

      Ja, da waren wirklich schon viele Leute, die ich kenne ;-) Naja, kein Wunder bei der schönen Landschaft.

  2. travellingcarola 6. Dezember 2021 um 16:22 - Antworten

    Liebe Sabine

    Ich könnte dir ein Bild vom Wildsee im Pizol zeigen, dagegen wirkt der Spiegelsee richtig verlassen … Deine Bilder mit der Aussicht auf die Dachstein Südwand und ins Tauerngebirge sind grandios. Ich kenne das Gebiet leider nur im Winter vom Skifahren. Danke für die Inspiration, mal in der alten Heimat eine Wanderung zu unternehmen.

    Herzliche Grüße
    Carola

    • Sabine 6. Dezember 2021 um 16:33

      Ja, so ist das wohl leider mit immer mehr schönen Plätzen auf dieser Welt … :-(

  3. Gabriele Tröger 6. Dezember 2021 um 14:55 - Antworten

    Hallo Sabine, da sieht’s ja schön aus! Barbara macht einen ja schon immer total den Mund wässrig mit ihren Steiermark-Artikeln und jetzt kommst du auch noch ;-) Irgendwann schaffen’s wir hoffentlich auch mal wieder nach Österreich. Viele Grüße!

    • Sabine 6. Dezember 2021 um 14:59

      Ja, Österreich ist in der Tat eine (oder auch mehrere) Reisen wert :-)

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