Namibia: Wanderung in Aus

Diese Stille. Als wir auf unseren Wanderung innehalten, hören wir – nichts! Kein Autogeräusch, kein Vogelgezwitscher, keine menschlichen Stimmen. Es herrscht absolute Ruhe auf dem Schutztruppentrail, einem der sechs Wanderwege auf dem Gelände der Farm Klein-Aus Vista. Im Desert Horse Inn in Aus, an der Abzweigung nach Lüderitz, machen wir auf unseren dreiwöchigen Namibia-Rundreise zwei Tage lang Stopp, um uns dem Land nicht nur mit dem Wagen, sondern endlich auch einmal zu Fuß anzunähern.

Die Wanderung beginnt gemächlich, auch wenn die Sonne schon vom Himmel brennt. Trotz Winterzeit sind Sonnenbrille und Hut ein Muss, und die zehn Kilometer bergauf, bergab sind nicht ohne. Wir brauchen mehrere Stunden für den Weg, denn ständig bleiben wir stehen und bestaunen die unendliche Weite, die sich vor uns auftut. Soweit das Auge reicht, gehört das Land zur Farm – Dimensionen, von denen unsere Landwirte nur träumen können.

Geschichten aus der Geisterschlucht

Durch die roten Felsen hindurch geht es hinunter in die Geisterschlucht, wo ein ausgebrannter Wagen in der Wüste liegt und die Gegenwart von Geistern uns plötzlich nicht mehr ganz so absurd vorkommt. Um das Autowrack ranken sich nämlich verschiedene Geschichten: Die einen erzählen von Diamantendieben, die die wertvollen Steine aus dem Sperrgebiet schmuggeln wollten und dabei von Sicherheitskräften erschossen wurden. Die anderen glauben, das Auto gehörte einem Deutschen, der in den 1930er-Jahren mit seiner Familie in der Wüste steckenblieb und aus Wut darüber sein Auto ansteckte. Egal, welche Geschichte stimmt: Ein bisschen gruselig anzusehen ist das Auto allemal. (Keine Ahnung, warum wir davon kein Foto gemacht haben – sorry! Wenn du eins parat hast und mir zur Verfügung stellen willst, füge ich das gern noch unter Nennung deines Namens hinzu.)

Gondwana Collection, der Betreiber der Farm Klein-Aus Vista, hat mir nach der Lektüre dieses Beitrags netterweise ein Bild des Autowracks zur Verfügung gestellt – vielen Dank dafür!

Nachdem wir uns tagsüber einen Teil des riesigen Farmgeländes erlaufen haben, geht es abends noch einmal mit einem Jeep auf Tour:

Über sandige Pisten fährt unser Guide uns zu zweit exklusiv zu den schönsten Stellen und zeigt uns Tiere, die wir tagsüber nicht entdeckt hatten: ein Straußenpaar mit Nachwuchs, das seltene Steinböckchen und schließlich die berühmten Pferde der Namib.

Geschichten von den Wüstenpferden

Die Wüstenpferde stammen angeblich von den Pferden der deutschen Schutztruppe ab, die sie beim Rückzug im Ersten Weltkrieg zurückließ. Andere behaupten, die Tiere stammen aus der Pferdezucht eines ehemaligen Schutztruppenoffiziers. Und eine dritte Geschichte besagt, dass Anfang des 20. Jahrhundert ein deutscher Baron die Pferde nach Namibia brachte und sie ihm im Krieg davonliefen, bis sie in den 1980er-Jahren wiedergefunden wurden.

Auf jeden Fall sind die wilden Pferde gar nicht so scheu, wie man vermuten könnte: Neugierig kommen sie an unser Auto heran und knabbern das Kunststoff von den Sitzen. Im Abendlicht wie aus dem Bilderbuch beobachten wir, wie die Herde nicht weit von unserem Jeep entfernt unter den Bäumen grast.

Plötzlich mahnt unser Guide zum Aufbruch, und wir rasen über die Sandpisten. Er biegt zu einem Aussichtspunkt ab, wo er auf das Dach des Jeeps steigt, einen Klapptisch herunterholt und eine Platte mit Knabbereien aus den Tiefen seines Wagens zaubert.

Gerade noch rechtzeitig, denn das Spektakel am Himmel beginnt bereits: In unzähligen Farben, von gelb über blau bis tieflila, geht am Horizont die Sonne unter. Fast vergessen wir, die leckeren Häppchen zu uns zu nehmen, so schön ist der Anblick, der sich jede Minute wieder verändert. Erst als es dunkel ist, fahren wir – ohne Scheinwerfer, weil unser Guide nach eigenen Aussagen die Strecke wie seine Westentasche kennt – zurück zu unserer Lodge. Ein perfekter Ausklang eines perfekten Tages in Namibia!

Warst du auch schon mal in Namibia? Was war dort dein schönstes Outdoor-Erlebnis? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Du willst noch mehr über Namibia lesen? Voilà:

 

 

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