Norwegen: Wanderung am Femundsee

Auf dem Weg von Oslo zu den Lofoten liegt ein kleines Juwel, das viele auf ihrer Route durch Norwegen links liegen lassen: der Femundsmarka-Nationalpark. Wir wollten es auf unserem vierwöchigen Roadtrip durch Norwegen ruhig angehen lassen, daher wählten wir als einen Zwischenstopp Richtung Norden den Femundsee, direkt an der schwedischen Grenze gelegen.

Eine Hütte am See

Am südlichen Ende des Sees gibt es mehrere Campingplätze. Wir wählten den Platz Vestre Sörken, eine Art Museumsdorf, direkt am See gelegen. Für die erste Nacht konnten wir eine kleine Hütte beziehen, die liebevoll eingerichtet war (viele andere Campinghütten, die wir auf unserer Reise durch Norwegen gesehen haben, sind ja eher spartanisch-praktisch ausgestattet). Schnell die Sachen aus dem Auto geräumt, und dann machten wir uns auf einen Spaziergang hinunter zum See. Unter schattigen Birken führte dort ein hübscher Weg einmal um eine Halbinsel herum, immer am See entlang mit Blick auf die umliegenden Berge und Wälder. Wir waren die einzigen Gäste auf dem Campingplatz und an diesem Teil des Femundsees, so dass wir die absolute Ruhe und den Frieden genießen konnten, den dieses Fleckchen ausstrahlt.

Auf in die Femundsmarka

Am nächsten Morgen schnürten wir unsere Wanderstiefel, um den Nationalpark zu erkunden. In Elgå, wo sich auch das Nationalparkzentrum befindet, beginnt eine schöne Wanderung, bei der wir für den Rückweg auch eine Fähre hätten nehmen können. Aber wegen ungünstiger Abfahrtzeiten entschieden wir uns, den Weg hin- und auch wieder zurückzulaufen. Zunächst ging es durch einen Kiefern- und Birkenwald, dessen Boden soweit das Auge reichte übersäht war mit Blaubeerbüschen. Leider waren die Früchte zu der Zeit noch nicht reif. Als Ausgleich gab es in diesem Wald umso mehr Mücken. Den ganzen Tag begleiteten sie uns unermüdlich. Das Mückenschutzmittel, das wir mitgebracht hatten, musste ganze Arbeit leisten. (Den Rest der Norwegen-Reise blieb es dafür in der Tasche: Am Meer und an den Fjorden sahen wir keine einziges Stechtier mehr.) Kein Wunder, dass sich die lästigen Tiere hier so wohl fühlten: Im Wald gibt es viele Tümpel und Feuchtgebiete, die wir auf Planken überquerten. Dank hervorragender Wegmarkierungen, einem roten T, fanden wir den Weg durch den Wald mühelos. Mücken waren übrigens nicht die einzigen Tiere im Wald: Zwischen den dichten Bäumen konnte ich einmal einen Blick auf eine Elchkuh erhaschen.

Nachdem wir den Wald durchquert hatten, wurde die Landschaft plötzlich ganz karg, und wir betraten den Femundsmarka Nationalpark. Vor uns lagen nackte graue Felsen mit ein paar wenigen Bäumen, an denen der Wind seit vielen Jahren zerrt. Wir folgten weiter dem roten T bis zum höchsten Punkt dieser Hochebene, von dem aus wir die umliegenden Berge und tief unter uns den Femundsee sehen konnten. Dramatische Wolken zogen über uns hinweg und tauchten diese unwirtliche Landschaft in ein ganz besonderes Licht. Kurz darauf  fing es unvermittelt an zu regnen, sodass wir schnell den Rückweg antraten und durch den Wald zurück nach Elgå liefen. Die zweite Nacht am Femundsee verbrachten wir ebenfalls auf dem Campingplatz Vestre Sörken, dieses Mal im Obergeschoss eines der alten Häuser, das noch fast genauso aussah wir vor 100 Jahren: antike Möbel, ein alter Ofen, knarzige Dielen mit Ritzen, sodass wir ins Geschoss unter uns sehen konnten. Führte der Hausherr Gäste durch den Ausstellungsraum im Erdgeschoss, verstanden wir aufgrund der dünnen Decke jedes Wort. Vor unserer Wohnungstür hingen ein  räudiger Mantel aus Wolfspelz und eine ganze Reihe von alten Gerätschaften, die die Hausherrin wohl früher benutzt hatte. Kein schlechter Platz, den sich die Menschen damals hier ausgesucht hatten. An diesem friedlichen See könnte ich mir auch vorstellen, eine Weile zu leben. Wenn nur im Sommer die vielen Mücken nicht wären …

Dies ist ein Beitrag für die Blogparade „Auszeit am See“ von Family Escapes.

Welcher ist dein Lieblingssee? Und was fasziniert dich besonders an Seen? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

 

 

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