Die nördlichste Eisbar der Welt

Ich bin nicht der einzige Norwegen-Fan unter den Reisebloggern. Unter anderem hat auch Renate vom Blog Raus ins Leben das Nordfieber gepackt. Auf ihren Reisen durch das Land ist sie noch ein bisschen weiter nördlich gekommen als ich. Daher berichtet sie heute in ihrem Gastbeitrag in Wort und Bild von der nördlichsten Eisbar der Welt: der Artico Ice Bar in Honningsvåg.

Am Nordkap

Obwohl der nördlichste Punkt Europas auf dem gleichen Breitengrad wie Alaska, Grönland oder Sibirien liegt, findest du dort während des Sommers kein arktisches Eis oder Schnee. Der warme Golfstrom hält die norwegische Küste während des ganzen Jahres eisfrei. Die Sommertemperatur in Honningsvåg liegt bei rund 12 Grad Celsius. Das ideale Wetter für meinen Mann – denn ihm ist es in der Regel eher zu warm. Bei Hitze kann er richtig nörgelig werden. Bei 12 Grad hingegen läuft er noch gerne in Sandalen durch die Gegend. Da er die Kälte so sehr liebt, habe ich recherchiert und will ihn überraschen. Wir fahren zu einem Ort, an dem es ziemlich kühl ist.

Wo ist es am nördlichsten?

In Norwegen findest du viele Orte und Sehenswürdigkeiten, die sich als „das nördlichste irgendwas“ bezeichnen. Wir sind im hohen Norden über dem Polarkreis. Und hier gibt es die Artico Ice Bar in Honningsvåg – die nördlichste und coolste Ice Bar der Welt. Cool ist sie in doppelter Hinsicht, denn zum einen liegt die Temperatur im Innenraum bei -5 Grad Celsius, und zum anderen ist sie wirklich sehenswert!

In der Eisbar findest du richtiges arktisches Eis. Während andere Ice Bars mit industriell hergestelltem Eis arbeiten, erlebst du hier ein Stück echte Arktis. Der Winter lässt die Seen gefrieren. Im Frühling werden dann die Eisblöcke an den einsamen Seen Lapplands gebrochen und mit Lkw hierher transportiert. Die Arctico Ice Bar entsteht so jedes Jahr neu. Sie ist von April bis September geöffnet.

Am Eingang erhalten wir zwei wärmende rote Ponchos mit Kapuzen der Marke Unisize – die passen jedem. Wir sehen ein bisschen wie zwei rote Zwerge aus. In diesem Outfit schauen wir uns einen Film über den Aufbau der Bar an. Es ist eine sehr mühsame Arbeit, die schweren Blöcke aus dem Eis zu brechen, um diesen frostigen Platz zu bauen. Das Eis wird vermessen und mit Motorsägen blockweise herausgeschnitten. Da ist Präzision gefragt. Ein Block wiegt rund 800 Kilo. Die 55 Blöcke werden auf Paletten geladen und mit einem Lkw nach Honningsvåg gebracht, wo dann in mühevoller Handarbeit innerhalb von 40 Tagen die Ice Bar entsteht. Keine Angst: Es ist kein Gletschereis. Das Eis bildet sich in den Seen jedes Jahr neu.

Stimmungsvolle Atmosphäre

Durch eine Kälteschleuse betreten wir das Innere. Kühle Luft umfängt uns. Herrlich! Unsere Brillen beschlagen, und wir sehen erst einmal nichts. Aus dem beschlagenen Blick formt sich langsam ein Bild: In der Mitte steht die runde Bar, ganz aus kristallenen Eisblöcken gebaut. Das natürliche Eis ist glasklar, du kannst richtig hindurchschauen. Mit der indirekten Beleuchtung glitzert es in allen Farben. Wir dürfen uns einen alkoholfreien Cocktail auswählen, der nicht etwa in einem einfachen Glas oder Plastikbecher ausgeschenkt wird. Nein, wir erhalten stilecht ein Glas aus Eis mit dem süßen Gesöff.

Mit unserem coolen Drink in der Hand schlendern wir durch die Bar. In der Ecke wartet ein kleines Iglu auf neugierige Besucher. Du kannst durch den Eingang hineinkriechen. Die Wände sind mit Schnee verkleidet. Auf dem Innenboden liegen wärmende Rentierfelle. Der Hundeschlitten neben dem Iglu ist ein sehr beliebtes Fotomotiv. Wir nehmen auf einer der eisigen Sitzgelegenheiten Platz, die mit kuscheligen Fellen bedeckt sind, und genießen die Stimmung. Alles ist aus Eis: die Bänke, die Tische, die Wände. Die Luft ist angenehm frisch, nicht zu kühl.

So erfahren wir, mit dem Eisglas in der Hand, Eis und Schnee mit allen Sinnen. Es ist erlaubt und sogar erwünscht, das Eis anzufassen. So kannst du seine Struktur mit den Händen erfüllen. In manchen Eisblöcken sind kleine Luftblasen eingeschlossen. Ich versuche, die kleinen Kunstwerke mit der Kamera festzuhalten. Mein Mann lächelt still vor sich hin. Meine Überraschung scheint gelungen zu sein.

Es sind nur wenige Besucher in der Bar, wir genießen den schönen Platz fast allein. Im Fernseher läuft passend ein Film über die nordische Landschaft mit winterlichen Bildern und dem einzigartigen Nordlicht, das in Grün- und Gelbtönen über den Bildschirm wabert. Das Nordlicht, die Aurora Borealis, steht auch noch auf meiner großen Reisewunschliste.

Zwei Spanier und ihr Traum

Und wer steckt hinter der Eisbar? Zwei Spanier aus dem sonnigen Süden, die ans Ende der Welt gekommen sind, um eine Eisbar zu eröffnen. José Mijares und Gloria Pamplona haben sich in Honningsvåg ihren Traum erfüllt. Gloria aus Zaragossa hat vorher als Reiseleiterin in Norwegen gearbeitet. Zum Team gehört auch Lonchas, Josés Kumpel, der mit ihm schon über einsame Berge geklettert, durch eisige Polarnächte gestreift und über arktische Seen und Flüsse gesegelt ist. Beide haben Polarbären gesehen und den Weihnachtsmann am Nordpol besucht. Lonchas ist ein Alaskan Malamute – Josés Hund.

Nachdem die erste permanente Ice Bar im Icehotel in Schweden erbaut wurde, eröffneten Gloria und José ihre Artico Ice Bar 2004 in Norwegen. Sie soll laut ihren Aussagen die einzige nördliche Eisbar aus Eis und Schnee der Arktis bleiben. Mir zeigt das Projekt: Manchmal können Lebensträume wahr werden, auch wenn sie ungewöhnlich sind.

Hat dir der Bericht gefallen? Jetzt möchten Renate und ich natürlich gern von dir wissen: Wo hast du den coolsten Drink deines Lebens zu dir genommen? Schreib es uns in den Kommentar!

 

 

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