Norwegen: Lofoten-Wanderung zum Reinebringen

Ein Blick nach oben verrät: Diese Wanderung wird nicht leicht. Fast senkrecht scheint sich die Felswand hinter dem Fischerdorf Reine auf den Lofoten vor uns aufzutürmen. Ganz oben sehen wir, wie sich ein paar bunte Flecken am Berghang bewegen – Wanderer, die es schon fast bis zum Ziel geschafft haben. Bis wir soweit sind, wird noch eine Menge Schweiß fließen. Das Wetter: ein Traum! Kein Wölkchen hängt am tintenblauen Himmel, Temperaturen wie in Spanien – die Norweger sind seit Wochen aus dem Häuschen angesichts der konstanten knapp 30 Grad -, eine leichte Brise weht.

Hoch

Der Anfang ist recht gemächlich: Über einen gut sichtbaren Pfad geht es im Zickzack hinauf. Die Sonne brennt auf die nackten Waden – doch zum Glück kommen wir bald durch ein kleines Birkenwäldchen, dessen dünne Stämme uns Schatten spenden. Nach den Bäumen wird es dann ernst: Die Bergwand wird immer steiler, oft müssen wir mit einem großen Schritt Felsstufen überwinden. An mehreren Stellen hängen Seile, ohne die manch einer sicher aufgeschmissen wäre. Auch mir helfen sie, mich über die schlimmsten Steigungen hinwegzuhangeln. Ein Blick nach unten zeigt, wie weit wir schon gekommen sind – und das müssen wir nachher alles wieder runterklettern?

Höher

Die letzten Meter gebe ich fast auf. Meine Beine brennen. Mechanisch setze ich nur noch einen Fuß vor den anderen. Aber am Ende schaffe ich es doch irgendwie bis ganz nach oben. Ein letzter Schritt – und vor mir tut sich ein Gemälde auf. Wäre ich nicht ohnehin von dem Aufstieg außer Atem gewesen, hätte es mir sicherlich die Luft genommen: 430 Meter unter uns liegt der Ort Reine und der dazugehörige Fjord, der sich tief in die umliegenden Berge hineinschneidet. Puppenhäuser stehen auf den vielen Inseln, die durch Brücken miteinander verbunden sind, Spielzeugschiffe ankern im glasklaren Wasser. Der Blick nach rechts gleitet weit die Lofoten-Inselkette entlang. Nach links versperrt irgendwann das Ende des Fjords den Blick auf den Horizont. Hinter den Felsen türmen sich erste Wolkenberge auf.

Am höchsten

Gefühlte Stunden stehe ich nur dort und staune. Selten hat mich ein Ausblick so in den Bann gezogen wie das Panorama am Reinebringen. Nach zahllosen Fotos und einem stärkenden Snack geht es schließlich wieder die über 400 Meter abwärts. Und ja, der Abstieg ist so schlimm, wie ich auf dem Hinweg befürchtet hatte. Durch das lose Geröll rutschen wir mehr, als dass wir laufen. Immer wieder überholen uns fitnessverrückte Norweger, für die diese Tour ein netter Mittagsspaziergang ist – oder leichtsinnige Touristen, die sich durch ihre Hast fast die Knochen brechen. Wir nehmen uns Zeit und brauchen schließlich zwei Stunden, bis wir, müde aber glücklich, wieder am Wagen ankommen. Beim Blick zurück nach oben kann ich kaum glauben, dass ich es geschafft habe, diese Wand zu bezwingen. Obwohl ich kaum noch meine Beine spüre, bin ich dankbar dafür, dass ich diesen fantastischen Ort mit eigenen Augen sehen durfte.

Übrigens: Die nächsten Tage sind sehr bewölkt und regnerisch. An einen Aufstieg auf den Reinebringen ist nicht zu denken. Wir danken dem Wettergott, dass er uns solch einen Traumausflug beschert hat.

Und an dieser Stelle danke ich auch Viktoria von Chronic Wanderlust, die mich dazu animiert hat, über meinen „schönsten Augenblick im Sommer 2014“ nachzudenken.

Übrigens …

Blick vom Reinebringen auf Reine und den Fjord

Wem dieses Bild besonders gut gefallen hat, kann gern bei einem Fotowettbewerb, an dem ich mit diesem Foto teilgenommen habe, dafür abstimmen – es ist das Foto mit der Nummer 37. Das Bild mit der Nummer 36 ist ebenfalls von mir und auf den Lofoten aufgenommen. Die Wahl läuft noch bis zum 29. September 2014 um 10 Uhr.

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